Originalseite:

Was Paulus über Frauen sagte, Teil 1

September 2003

von Doug Peitz

Die Rolle von Frauen in der Kirche ist ein Thema, das viele Jahre sehr strittig gewesen ist. Traditionell hielten die Männer die meisten, wenn nicht alle Positionen der Verantwortung in der Kirche. Nur Männer wurden als Diener oder Priester ordiniert, und nur Männer sprachen in der Kirche. Das ändert sich rasch in vielen Kirchen. Frauen spielen wichtigere Rollen in vielen Kirchen, und manche Kirchen ordinieren Frauen in den Vollzeitdienst.

Die Weltweite Kirche Gottes ist auf der sehr konservativen Seite gewesen. Wir haben keinen Frauen erlaubt, öffentlich zu beten, Lieder zu leiten, Chöre zu leiten oder Kurzpredigten zu geben. Natürlich haben wir keine Frauen zum Vollzeitdienst ordiniert. Viele haben Frauen abgelehnt, für die Plain Truth [Klar und Wahr] zu schreiben oder sogar ein Gebet für eine Mahlzeit zu sprechen!

Aber Dinge ändern sich. Wir erlauben jetzt Frauen, das Eröffnungsgebet zu sprechen, Chöre zu leiten und aus der Heiligen Schrift zu lesen. Andere Gelegenheiten werden zweifellos bald folgen. Einige von uns dürften diese Änderungen begrüßen, manche von uns werden sie für ungerecht halten, weil sie biblische Ordnungen verletzen, besonders die zwei folgenden.

1 Kor. 14,34 „Eure Frauen sollen in den Gemeinden schweigen; denn es ist ihnen nicht gestattet zu reden, sondern sie sollen sich unterordnen, wie auch das Gesetz sagt.“

1.Tim. 2,12 „Das Lehren aber gestatte ich einer Frau nicht, auch nicht, daß sie über den Mann herrscht, sondern sie soll sich still verhalten.“

Frage: Wie weit sollten wir dies auslegen? Kann eine Frau eine einfache Mahlzeit organisieren und Männer im Aufbau leiten? Dies scheint extrem, aber alle, die es betrifft, müssen dieses verstehen. Wir nehmen doch auch das 7. Gebot als absolut an!
Gehen wir in die richtige oder falsche Richtung? Verletzen wir die Heilige Schrift, wenn wir Frauen in der Kirche in irgend einer Form beten oder reden lassen? Oder möchte Gott uns zeigen, dass es nie seine Absicht war, Frauen vom Werk des Evangeliums und der Gottesdienstleitung auszuschließen? Das sind die Fragen, die ich in den Predigten, die ich zu diesem Thema geben werde, beantworten will.

Ich werde nicht das Thema, Ordinierung von Frauen in den Vollzeitdienst, behandeln. Um das zu tun, müsste die Diskussion sehr ausgedehnt werden, auch ist dies zur Zeit nicht von unmittelbarem Interesse für uns. Ich erörtere nur die Angemessenheit, Frauen offen an Gottesdiensten und Hilfsprogrammen der Kirche teilnehmen zu lassen.

Ich möchte folgendes behandeln:
1. Ich werde untersuchen, was das Alte Testament über Frauen sagt.
2. Ich erörtere, wie Frauen zur Zeit Jesu und Pauli unter Juden und Nichtjuden betrachtet und behandelt wurden.
3. Ich untersuche das Neue Testament, um zu sehen, wie Frauen von Jesus betrachtet und behandelt wurden, und wie das die Kirche des Neuen Testaments praktizierte.
4. Dann erkläre ich detaillliert Epheser 5,18-33; 1.Korinther 11,2-16, 1.Korinther 14:34-35; und 1.Timotheus 2,9-15.

Das AT und die Frauen

1. Adam und Eva
1.Mose 1,25-28: „25 Und Gott machte die Tiere des Feldes nach ihrer Art und das Vieh nach seiner Art. Und Gott sah, daß es gut war. 26 Und Gott sprach: Wir wollen Menschen machen nach unserm Bild uns ähnlich; die sollen herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel des Himmels und über das Vieh auf der ganzen Erde, auch über alles, was auf Erden kriecht! 27 Und Gott schuf den Menschen ihm zum Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; männlich und weiblich schuf er sie. 28 Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel des Himmels und über alles Lebendige, was auf Erden kriecht!“

Punkte
A. Beide, Mann und Frau, wurden im Bilde Gottes geschaffen (1,27)
B. Beide, Mann und Frau, sollten über die Schöpfung herrschen (1,28)

1.Mose 2: „18 Und Gott der HERR sprach: Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei; ich will ihm eine Gehilfin machen, die ihm entspricht! 19 Und Gott der HERR bildete aus Erde alle Tiere des Feldes und alle Vögel des Himmels und brachte sie zu dem Menschen, daß er sähe, wie er sie nennen würde, und damit jedes lebendige Wesen den Namen trage, den der Mensch ihm gäbe. 20 Da gab der Mensch einem jeglichen Vieh und Vogel und allen Tieren des Feldes Namen; aber für den Menschen fand sich keine Gehilfin, die ihm entsprochen hätte. 21 Da ließ Gott der HERR einen tiefen Schlaf auf den Menschen fallen; und während er schlief, nahm er eine seiner Rippen und verschloß deren Stelle mit Fleisch. 22 Und Gott der HERR baute aus der Rippe, die er von dem Menschen genommen hatte, ein Weib und brachte sie zu ihm. 23 Da sprach der Mensch: Das ist nun einmal Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch! Die soll Männin heißen; denn sie ist dem Mann entnommen! 24 Darum wird der Mensch seinen Vater und seine Mutter verlassen und seinem Weibe anhangen, daß sie zu einem Fleische werden.“

Punkte
A. Die Tatsache, dass Adam vor Eva geschaffen wurde, wird manchmal als Argument verwendet, die männliche Überlegenheit über Frauen zu beweisen. Wenn die Reihenfolge der Schöpfung Überlegenheit beweist, dann müssten wir Kühen untergeordnet sein.

B. Die Verse 18 und 20 bezeichnen die Frau als „geeigneten Helfer" des Mannes. Dies wird von manchen dahingehend interpretiert, dass Eva geschaffen wurde, um Adams Assistentin in einer Art göttlich angeordneter Hierarchie zu sein.

Jedoch, das hebräische Wort für „Helfer" ist ~ezer. Dieses Wort erscheint 21 mal im A.T.; es wird nirgends im Sinne von Untergebener verwendet. 17 mal bezieht es sich auf Gott als unser Helfer. Gott ist uns gegenüber kaum sekundär oder untergeordnet. 3 mal bezeichnet es einen militärischen Verbündeten.

Die Idee in 1.Mose 2,18.20 ist die, dass die Frau eine Quelle der Stärke des Mannes ist, dem sie als Freund und Verbündeter dient. Unterordnung liegt nicht in der Absicht des Textes.

C. Adam ist aufgefordert, seinen Vater und seine Mutter zu verlassen und an seiner Frau zu kleben. Wenn dies über Eva gesagt würde, würden das die meisten wahrscheinlich so interpretieren, dass die Frau zuerst unter der Autorität ihrer Eltern und dann ihres Mannes war. Niemand schlägt dies für Adam vor. Es zeigt nur, wie leicht man dem Text eigene Mutmaßungen auferlegen kann.

1.Mose 3: „11 Da sprach er: Wer hat dir gesagt, daß du nackt bist? Hast du etwa von dem Baum gegessen, davon ich dir gebot, du sollest nicht davon essen? 12 Da sprach der Mensch: Das Weib, das du mir zugesellt hast, die gab mir von dem Baum, und ich aß! 13 Da sprach Gott der HERR zum Weibe: Warum hast du das getan? Das Weib antwortete: Die Schlange verführte mich, daß ich aß! 14 Da sprach Gott der HERR zur Schlange: Weil du solches getan hast, so seist du verflucht vor allem Vieh und vor allen Tieren des Feldes! Auf deinem Bauch sollst du kriechen und Erde essen dein Leben lang! 15 Und ich will Feindschaft setzen zwischen dir und dem Weibe, zwischen deinem Samen und ihrem Samen; derselbe soll dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen. 16 Und zum Weibe sprach er: Ich will dir viele Schmerzen durch häufige Empfängnis bereiten; mit Schmerzen sollst du Kinder gebären; und du sollst nach deinem Manne verlangen, er aber soll herrschen über dich! 17 Und zu Adam sprach er: Dieweil du gehorcht hast der Stimme deines Weibes und von dem Baum gegessen, davon ich dir gebot und sprach: «Du sollst nicht davon essen», verflucht sei der Erdboden um deinetwillen, mit Mühe sollst du dich davon nähren dein Leben lang; 18 Dornen und Disteln soll er dir tragen, und du sollst das Gewächs des Feldes essen. 19 Im Schweiße deines Angesichtes sollst du dein Brot essen, bis daß du wieder zur Erde kehrst, von der du genommen bist; denn du bist Staub und kehrst wieder zum Staub zurück! 20 Und Adam nannte sein Weib Eva; denn sie wurde die Mutter aller Lebendigen.“

Punkte
A. Eva wurde von Satan getäuscht. Adam wurde nicht getäuscht, sondern von der Frau überredet (Verse 13 und 17). Dies ist ein wichtiger Punkt in den Paulusbriefen.

B. Vers 16 kommt erst, nachdem Adam und Eva sündigten. Die extierende Beziehung, von der Gott hier spricht, ist eine Folge ihrer Sünde, ihr Fluch. Wir dürfen dies nicht als eine wünschenswerte Beschreibung Gottes für ein christliches Paar verstehen.

C. Dass Adam seiner Frau einen Namen gab, wird manchmal als Argument angeführt, dass dies zeige, dass der Mann Autorität über sie hat, genauso, wie er über die Tiere herrschte, als er ihnen Namen gab (1,28; 2,20; 3,20). Man sollte jedoch auch beachten, dass er sie (die Frau) erst nachdem sie gesündigt hatten, benannte. Möchte man daraus eine hierarchische Beziehung herleiten, dann ist auch diese ein Ergebnis der Sünde und nicht eine Beziehung, die Gott ursprünglich beabsichtigte.

2. Gott machte seinen Bund sowohl mit Frauen als auch Männern, was die Frauen in ein hohes Ansehen stellt.

5.Mose 29: „1 Dies sind die Worte des Bundes, welchen der HERR dem Mose mit den Kindern Israel zu schließen gebot, in der Moabiter Land; außer dem Bunde, den er mit ihnen am Horeb schloß... 9 So bewahret nun die Worte dieses Bundes und tut darnach, damit ihr alles weislich vollbringet, was ihr tut. 10 Ihr alle steht heute vor dem HERRN, eurem Gott, eure Häupter, eure Stämme, eure Ältesten und eure Amtleute, alle Männer Israels; 11 eure Kinder, eure Weiber und dein Fremdling, der in deinem Lager ist, deine Holzhauer sowohl als deine Wasserschöpfer.“

3. Es wurde verlangt, dass Frauen das laut gelesene Wort Gottes hören. Gott will, dass Frauen lernen.

5.Mose 31,12: „Versammle das Volk, Männer und Weiber und Kinder, auch den Fremdling, der in deinen Toren ist, damit sie hören und lernen, auf daß sie den HERRN, euren Gott, fürchten und achtgeben, alle Worte dieses Gesetzes zu befolgen.“
Neh. 8,2: „Und Esra, der Priester, brachte das Gesetz vor die Gemeinde, vor die Männer und Frauen und alle, die es verstehen konnten, am ersten Tage des siebenten Monats.“

4. Die zehn Gebote geben Frauen Ehre und Würde.

A. Das 5. Gebot sagt, dass wir unseren Vater und unsere Mutter ehren sollen.
2.Mose 20,12: „Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf daß du lange lebest im Lande, das dir der HERR, dein Gott, geben wird!“

B. Das 7. Gebot nennt Ehebruch eine Sünde, sowohl für den Mann als auch für die Frau.
2.Mose 20,14: „Du sollst nicht ehebrechen!“
5.Mose 22,22: „Wenn jemand ertappt wird, daß er bei einer verheirateten Frau liegt, so sollen beide sterben, der Mann, der bei dem Weibe gelegen, und das Weib. Also sollst du das Böse von Israel ausrotten.“

C. Das l0. Gebot verbietet, die Frau seines Nachbarn zu begehren. Im Licht der anderen beiden Gebote sollte dieses Gebot nicht so verstanden werden, als seien Frauen Eigentum, sondern dass sie nicht in dem Sinne begehrt werden, als wären sie Eigentum.
2.Mose 20,17: „Laß dich nicht gelüsten deines Nächsten Hauses! Laß dich nicht gelüsten deines Nächsten Weibes, noch seines Knechtes, noch seiner Magd, noch seines Ochsen, noch seines Esels, noch alles dessen, was dein Nächster hat!“

5. Frauen konnten ihre eigenen Opfer darbringen. Das zeigt, dass Gott gleichermaßen für Frauen sorgte.

3.Mose 15: „29 Und am achten Tage soll sie zwei Turteltauben oder zwei junge Tauben nehmen und sie zum Priester bringen vor die Tür der Stiftshütte. 30 Und der Priester soll die eine zum Sündopfer, die andere zum Brandopfer machen und ihr wegen des Flusses ihrer Unreinigkeit Sühne erwirken vor dem HERRN.“

1.Sam. 2,19: „Dazu machte ihm seine Mutter ein kleines Oberkleid und brachte es ihm jährlich mit, wenn sie mit ihrem Mann hinaufging, das jährliche Opfer darzubringen.“

6. Frauen konnten direkt zu Gott beten, und Gott wendete sich direkt an sie.

Z.B. Hagar in 1.Mose 16, Hannah in 1.Sam. 1.

7 . Frauen konnten Prophetinnen sein. Gott gebrauchte Frauen in der Rolle von Lehrern.
Z.B. Miriam, 2.Mose 15,20-21; Huldah, 2.Könige 22,14. Siehe:

Micha 6: „3 Mein Volk, was habe ich dir getan, und womit habe ich dich beleidigt? Lege Zeugnis ab wider mich! 4 Habe ich dich doch aus Ägyptenland heraufgeführt und dich aus dem Diensthause erlöst und Mose, Aaron und Mirjam vor dir her gesandt!“

8. Frauen konnten Richter sein, was zeigt, dass Gott sie gebrauchen kann, um Männer zu führen.

Richter 4,4: „Debora, eine Prophetin, das Weib Lapidots, richtete Israel zu jener Zeit.“

9. Ehefrauen konnten nicht verkauft werden, auch nicht in Kriegsgefangenschaft selbst wenn geschlagen in Krieg. Eine Frau soll nicht behandelt werden, als ob sie Eigentum wäre.

5.Mose 21,14: „Wenn du aber nicht Lust zu ihr hast, so sollst du sie freilassen, nach ihrem Belieben, und sie nicht um Geld verkaufen, sie auch nicht als Sklavin behandeln, da du sie geschwächt hast.“ Lesen Sie die Verse auch im Kontext.

10. Gott will, dass wir als die Anweisung der Mutter genauso berzigen wie die des Vaters. Wir sollten unsere Eltern beide als liebenswert ansehen.

Spr. 1,8: „Höre, mein Sohn, die Unterweisung deines Vaters und verwirf nicht die Lehre deiner Mutter!“
Spr. 10,1: „Sprüche Salomos: Ein weiser Sohn macht seinem Vater Freude, aber ein törichter Sohn ist seiner Mutter Grämen.“
Spr. 15,20: „Ein weiser Sohn macht seinem Vater Freude; ein dummer Mensch aber verachtet seine Mutter.“

11. Sprüche 31 zeigt uns, dass Gott gerne eine Frau voll aktiv und involviert sieht:

„10 Ein wackeres Weib (wer findet es?) ist weit mehr wert als köstliche Perlen!
11 Auf sie verläßt sich ihres Mannes Herz, und an Gewinn mangelt es ihm nicht.
12 Sie erweist ihm Gutes und nichts Böses ihr ganzes Leben lang.
13 Sie zieht Wolle und Flachs und verarbeitet es mit willigen Händen.
14 Wie die Handelsschiffe bringt sie ihr Brot aus der Ferne herbei.
15 Bevor der Morgen graut, ist sie schon auf und gibt Speise heraus für ihr Haus und befiehlt ihren Mägden.
16 Sie trachtet nach einem Acker und erwirbt ihn auch; mit dem Ertrag ihrer Hände pflanzt sie einen Weinberg an.
17 Sie gürtet ihre Lenden mit Kraft und stählt ihre Arme.
18 Sie sieht, daß ihre Arbeit gedeiht; ihr Licht geht auch des Nachts nicht aus.
19 Sie greift nach dem Spinnrocken, und ihre Hände fassen die Spindel.
20 Sie tut ihre Hand dem Unglücklichen auf und reicht ihre Hände dem Armen.
21 Vor dem Schnee ist ihr nicht bange für ihr Haus, denn ihr ganzes Haus ist in Scharlach gekleidet.
22 Sie macht sich selbst Decken; Linnen und Purpur ist ihr Gewand.
23 Ihr Mann ist wohlbekannt in den Toren, wenn er unter den Ältesten des Landes sitzt.
24 Sie macht Hemden und verkauft sie und liefert dem Händler Gürtel.
25 Kraft und Würde ist ihr Gewand, und sie lacht des künftigen Tages.
26 Ihren Mund öffnet sie mit Weisheit, und freundliche Unterweisung ist auf ihrer Zunge.
27 Sie behält ihre Haushaltung im Auge und ißt nie das Brot der Faulheit.
28 Ihre Söhne wachsen heran und preisen sie glücklich; ihr Mann rühmt sie ebenfalls:
29 «Viele Töchter sind wackere Frauen geworden; aber du übertriffst sie alle!»
30 Anmut besticht und Schönheit vergeht; ein Weib, das den HERRN fürchtet, soll man loben.
31 Gebt ihr von den Früchten ihres Wirkens, und ihre Werke werden sie loben in den Toren!

Wir ersehen hieraus, dass Frauen im Alten Testament in sehr hohem Ansehen stehen.

Ideen über Frauen im ersten Jahrhundert

Die Ideen, welche die römische Welt in Bezug auf Frauen im ersten Jahrhundert durchdrangen, waren athenischen Ursprungs.

Alexander der Große, der die Mittelmeerwelt hellenisierte, drückte griechische Kultur und Philosophie als Basis für die Einheit durch. Sein Tutor war Aristoteles.

Griechisch wurde zur gemeinsamen Sprache, und in den verschiedenen besiegten Völkern wurden die griechischen Sitten übernommen. Auch der griechische Lebensstil wurde in unterschiedlichem Maße übernommen.

Gebildete Leute studierten die großen griechischen Philosophen und Schriftsteller; griechische Gedankenmuster durchdrangen die bekannte Welt.

Wenn wir also lesen, was die Bibel über Frauen sagt, müssen wir bestrebt sein, die Erklärungen, wie Frauen betrachtet und behandelt wurden und auch wie sie sich in der Gesellschaft verhielten, in Einklang zu bringen.

Pauli Erklärungen über Frauen waren als Antwort auf die Bedingung und die Situationen von Frauen in dieser Zeit gedacht.

Das folgende Zitat stammt aus dem Buch What Paul Really Said About Women (Was Paulus wirklich über Frauen sagte) von John Temple Bristrow. Er leistet eine gute Arbeit in seinem Versuch, die Situation in der nichtjüdischen Welt im ersten Jahrhundert zusammenzufassen.

"Es war Sokrates (C. 470-399 B.C.), der die athenische Verachtung der Frauen unsterblich machte. Indem er oft Frauen das schwächere Geschlecht nennt, argumentiert er, dass Frau zu sein, eine göttliche Strafe ist, da eine Frau ein Zwischending zwischen einem Mann und einem Tier ist ...

Obwohl Sokrates meinte, dass sowohl Männer als auch Frauen alle die verschiedenen Verantwortungen der Staatsbürgerschaft erfüllen sollten, hielt er nichts von einer Gleichheit zwischen den Geschlechtern. Kennen Sie irgendeine Handlung der Menschheit, fragte er, in der das männliche Geschlecht nicht in jeder Hinsicht viel besser ist als das weibliche?

Angesehene griechische Ehefrauen führten ein völlig abgeschiedenes Leben. Sie nahmen an öffentlichen Angelegenheiten nicht Teil, sie erschienen weder zu Mahlzeiten noch zu sozialen Anlässen. Freizeitvergnügungen waren für sie stark eingeschränkt, desgleichen auch soziale Kontakte. Athenische Männer genossen Sport im Freien und verkehrten im agora, dem Marktplatz, der als Zentrum des Stadtlebens und der Kommunikation diente. Frauen wurden von beiden ausgeschlossen. Die ideale athenische Frau war, nach Xenophon, einem Jünger von Sokrates, eine Frau, die so wenig wie möglich sah, so wenig wie möglich hörte und so wenig wie möglich fragte.

Aristoteles‘ Denken hatte etwas Barbarisches, wenn er nicht zwischen einer Ehefrau und einem Sklaven unterschied, doch stimmte er nicht mit Sokrates über die Rollen der Geschlechter überein. 'Die Disziplin von einem Mann und von einer Frau oder der Mut und die Gerechtigkeit von einem Mann und von einer Frau sind nicht so, wie Sokrates behauptete,‘ erklärte er. Der Mut eines Mannes zeigt sich im Gebieten, der einer Frau im Gehorchen'.

'Dieser Unterschied zwischen Ehemann und Ehefrau,‘ erklärte Aristoteles, ‚verhält sich wie die Seele eines Menschen zu seinem Körper. Der Mann verhält sich zu seiner Frau, wie eine Seele zum physischen Körper, dazu bestimmt, Armen und Beinen mit Weisheit und Intelligenz zu befehlen und sie zu führen.‘ (Aristoteles verwendete diese gleiche Analogie, um die Übung der Sklaverei zu verteidigen und die Beziehung von Meister und Sklaven zu definieren). Genau wie unser Körper mit seinen Impulsen und Begierden nicht seine Seele beherrschen sollte, so sollte auch eine Ehefrau nicht ihren Mann beherrschen. Und als eine strenge Warnung fügte er hinzu, dass eine Gleichheit der beiden oder ein Herrschen von Untergeordneten immer schädlich ist.

Aristoteles legte auf diese Art eine bleibende philosophische Grundlage für die Vorstellung, dass Frauen Männern unterlegen sind. Er formalisierte die Übung sexueller Diskriminierung und bot ein gelehrtes Gebietertum an, das an die Ungleichheit der Geschlechter glaubte. Jahrhunderte später interpretierten Kirchenleiter, die selbst ein Produkt der griechischen Kultur und Bildung waren, Pauli Schriften aus der Perspektive aristotelischer Philosophie, sogar bis zu ihrer Annahme, dass Paulus, wenn er vom Ehemann als dem Haupt der Ehefrau schrieb, einfach die Analogie des Aristotles vom Ehemann neu formuliere, er verhalte sich seiner Frau gegenüber wie wie unsere Seele zu unserem Körper.

Demosthenes, der gerade ein Jahr vor Aristoteles geboren wurde, wurde als der größte griechische Redner angesehen. Er analysierte die Rollen der athenischen Frauen in einer oft zitierten Erklärung: Wir haben Kurtisanen zu unserem Vergnügen, Prostituierte [das heißt, junge weibliche Sklaven], für unseren täglichen Gebrauch und Ehefrauen, um legitime Kinder aufzuziehen und treue als Verwalter für Haushaltsangelegenheiten.

Von diesen drei Optionen, die athenische Frauen hatten, lieferte die Rolle der Ehefrau die größte Sicherheit, aber sie brachte ihr auch größere Einschränkungen. Diese Frauen wurden in einem frühen Alter mit Männern, die sie nicht kannten, verheiratet. Die Vereinbarungen wurden für sie getroffen, und eine reiche Mitgift wurde für dieses Privileg bezahlt. Als Ehefrauen erhielten sie keine Bildung, außer in Kochen und Spinnen und bescheiden und ruhig zu sein. Ein Freund Xenophons beschrieb seinen idealen Ehepartner so: 'Sie war noch nicht fünfzehn, als ich sie meinem Haus vorstellte. Unter strengster Überwachung war sie aufgezogen worden. Soweit man es managen konnte, wurde ihr nicht erlaubt, irgendetwas zu sehen, irgendetwas zu hören oder irgendwelche Fragen zu stellen.

Pericles berichtet, dass es die Pflicht einer athenischen Mutter war, so zurückgezogen zu leben, dass ihr Name nie unter Männern erwähnt würde, weder zum Lob noch zur Schande. Frauen in Athen gingen nie alleine aus, auch nicht mit ihren Männern, um mit ihnen gemeinsame Mahlzeiten einzunehmen und hatten keinen Teil am Gemeindeleben. Sie führten ein Leben in größter Abgeschiedenheit. Die wenigen athenischen Frauen, die gebildet waren und über gegenwärtige Literatur und philosophische Gedanken diskutieren konnten, fand man in den meisten Fällen unter den Kurtisanen (hetairai genannte Oberschichtprostituierte). Sie besuchten Vorträge und waren in der Lage, intelligente Diskussionen und Debatten mit ihren Kunden zu führen. Andere Prostituierte, die der Unterschicht angehörten und griechische Matronen erhielten keine solche Bildungsgelegenheiten.

In der Generation nach Aristoteles gründete ein anderer athenischer Philosoph mit dem Namen Zeno eine geistliche Richtung, welche die griechische und römische Gesellschaft sehr stark beeinflusste. Er lehrte in einer Säulenhalle (welche auf Griechisch stoa heißt, daher werden seine Anhänger Stoiker genannt.)

Zeno lehnte die Art ab, wie Männer Frauen für ihr Vergnügen gebrauchten. Jedoch basierten seine Kritiken nicht auf der Sorge um die Rechte oder Notlage der Frauen in der athenischen Gesellschaft. Er lehnte deshalb ab, weil es sein könnte, dass Männer, die in Frauen verliebt sind, dadurch von ihrem Philosophiestudium abgelenkt werden könnten. Er lehrte, dass sexueller Verkehr nur zum Zweck der Fortpflanzung berechtigt ist. Alle Leidenschaften und Freuden sollen von jenen verschmäht werden, die wirklich nach Weisheit streben. Zenos Anhänger traten für den Wert der Askese und des Zölibats zu Gunsten höherer Ziele, der Suche nach Wahrheit, ein.

In den folgenden Jahrhunderten konnte man die Essenz dieses Appells innerhalb der christlichen Kirche spüren. Das ehelose Leben, so wurde vermutet, ist für eine persönliche Suche nach Heiligkeit in einer korrupten und bösen Welt am geeignetsten. Die besten und frommsten Männer und Frauen würden auf sexuelle Intimität und Ehe zu Gunsten höherer geistlicher Ziele verzichten.

Die athener Philosophen hinterließen sodann der Welt eine doppelte Anklage gegen die Weiblichkeit. Aus der klassischen Periode, besonders den Lehren von Aristoteles, kam die Überzeugung, dass Frauen gegenüber Männern minderwertig sind. Deshalb soll Frauen von Männern geboten werden, und sie sollen zum Vergnügen der Männer gebraucht werden.

Dann kam von den stoischen Philosophen die Überzeugung, dass Frauen eine Ablenkung und Versuchung für Männer sind. Deshalb sollten Frauen von Männern gemieden werden, die sonst frei wären, sich jene Eigenschaften anzueignen, die Männer überlegen machen. Beide Ansichten liegen den traditionellen Interpretationen der paulinischen Schriften bezüglich Frauen und Heirat zugrunde.“ What Paul Really Said About Women, by John Temple Bristow, S. 4-9.

Als Paulus nun nach Kleinasien, Griechenland und Italien ging, kam er mit Kulturen in Kontakt, die Frauen in einer gewissen Weise betrachteten – eine Weise, die ganz anders ist, als es uns heute geläufig ist. Wir müssen uns bemühen, Pauli Erklärungen über Ehe, Familie und die Rolle von Frauen im Licht ihrer damaligen Behandlung zu betrachten.

Die Hellenisierung des jüdischen Denkens

Wenn wir zum Neuen Testament kommen, finden wir, dass die meisten jüdischen Männer Frauen nicht mit der im Alten Testament reflektierten Hochachtung betrachteten. Bevor wir genaue Beschreibungen der sozialen Position von Frauen in Jerusalem zur Zeit von Jesus lesen, lassen Sie uns daran denken, warum dies so ist. Drei Faktoren führten die Juden dazu, die Mann-Frau-Beziehungen Gottes zu verzerren.
1. Sündiges Benehmen. Sünde verzerrt Verständnis und Beziehungen.
2. Fehldeutung von biblischen Texten.
3. Der Einfluss von Hellenistischen Ideen. Im dritten Jahrhundert v.Chr. begannen hellenistische Ideen das jüdische Denken zu infiltrieren. Diese Infiltration wurde während der Herrschaft von Antiochus Epiphanes, der seine Herrschaft in 175 v.Chr. begann, beschleunigt.

1.Makkabäer beschreibt den Wunsch von vielen zu hellenisieren. Kapitel 1 (Luther Übers.):
„12 Zu dieser Zeit waren in Israel böse Leute; die überredeten das Volk und sprachen: Laßt uns einen Bund machen mit den Heiden umher und ihre Gottesdienste annehmen; denn wir haben viel leiden müssen seit der Zeit, da wir uns von den Heiden abgesondert haben. 13. Diese Meinung gefiel ihnen wohl. 14 Und etliche vom Volk wurden zum König gesandt; der erlaubte ihnen, heidnische Weise anzunehmen. 15. Da richteten sie zu Jerusalem ein heidnisches Spielhaus her.“

Antiochus drang dann in Judäa ein und versuchte, es mit Gewalt zu hellenisieren. Das Ergebnis war, dass jüdisches Denken von griechischer Philosophie beeinflusst wurde. Dies färbte die jüdische Sicht von Frauen.

Das folgende lange Zitat stammt aus Jerusalem in the Time of Jesus (Jerusalem in der Zeit Jesu), von Joachim Jeremias. Er liefert Details über das Leben von Frauen in Jerusalem und dem umliegenden Gebiet. Das Zitat ist lang, aber die Punkte werden nächstes Mal für die Predigt wichtig sein.

"Östliche Frauen nehmen nicht am öffentlichen Leben Teil. Dies gilt auch für die Zeit von Jesus, in allen Fällen, wo jüdische Familien getreu das Gesetz beachteten. Wenn die Jerusalemer Jüdin ihr Haus verließ, verbarg sie ihr Gesicht durch eine Anordnung von zwei Kopfschleiern, einem Kopfband über die Stirn mit Bändern zum Kinn und ein Haarnetz mit Bändern und Knoten, so dass ihre Gesichtszüge nicht zu erkennen waren. Jede Frau, die ohne diesen Kopfschmuck, d.h. ohne ihr Gesicht zu verstecken, hinausging, beging solch einen Verstoß gegen den guten Geschmack, dass ihr Mann das Recht - ja die Pflicht – hatte, sie von sich zu verstoßen, ohne verpflichtet zu sein, die Summe Geldes zurückzuzahlen, auf welches die Ehefrau im Fall einer Scheidung aufgrund des Ehevertrags ein Recht hatte. . . Nur in ihrem Hochzeitszug sah man eine Braut mit unbedecktem Kopf, und dann auch nur, wenn sie eine Jungfrau und keine Witwe war.

Dementsprechend wurde erwartet, dass eine Frau in der Öffentlichkeit unbemerkt bleibt. Es gibt eine aufgezeichnete Redensart von einem der ältesten uns bekannten Schriftgelehrten ... ‚Reden Sie nicht viel mit dem weiblichen Geschlecht ', und fügt hinzu, ‚das sagten sie über die eigene Frau eines Mannes. Wie viel mehr von der Frau seines Nächsten!' Regeln des Anstands verboten einem Mann, alleine mit einer Frau zu sein, eine verheiratete Frau anzusehen oder sie sogar zu grüßen. Es war skandalös, wenn ein Gelehrter mit einer Frau auf der Straße sprach. Eine Frau, die sich mit jedem auf der Straße unterhielt, konnte wie die auf der Straße mit der Spindel arbeitende Frau ohne die im Ehevertrag verordnete Zahlung geschieden werden...

Die folgenden Referenzen führen uns nach Jerusalem, um einen Blick zu tun in die unter den führenden Familien beachteten strengen Sitten ... .We sehen dann, dass die Töchter der führenden Häuser in Jerusalem, die das Gesetz strikt befolgten, gewöhnt waren, vor der Ehe so lange wie möglich im Haus zu bleiben; verheiratete Frauen verließen es nur mit bedeckten Gesichtern ...

Gewöhnliche Familien konnten nicht strikt an einem Leben völliger Zurückgezogenheit festhalten, wie eine Frau von Rang das konnte, die in ihrem Haushalt von Dienern umgeben war; die Hauptgründe dafür waren ökonomische. Zum Beispiel musste eine Ehefrau ihrem Mann beruflich helfen, indem sie vielleicht Waren verkaufe. Wir können diese Entspannung von der Sitte unter gewöhnlichen Leuten auch in der Beschreibung der beliebten Feste sehen, welche im Hof der Frauen stattfanden, z.B. während der Nächte des Laubhüttenfests; die Anwesenden kamen so zahlreich, dass es schließlich notwendig wurde, Galerien für die Frauen zu bauen, um sie von den Männern zu trennen. Außerdem gab es auf dem Land weitere Entspannungen. Hier gingen die Mädchen zum Brunnen. Die in der Landwirtschaft zusammen mit ihrem Ehemann und Kindern arbeitende verheiratete Frau, verkaufte Oliven an der Tür und diente am Tisch. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass die Sitte, den Kopf zu verhüllen, auf dem Land so streng beachtet wurde wie in der Stadt; Es gab in dieser Hinsicht eher einen Unterschied zwischen Stadt und Land, ähnlich, wie wir ihn im heutigen Palästina sehen. Jedoch darf eine Frau nicht alleine in den Feldern sein, und es war sogar auf dem Land nicht üblich, dass sich ein Mann mit einer fremden Frau unterhält ...

Mit der Verlobungszeremonie, die nach unserer Meinung - nicht nach orientalischen Standards - in einem äußerst frühen Alter stattfand, begann die Übertragung ihrer Bindung an die Autorität des Vaters auf ihren Mann. Das übliche Alter der Verlobung einer so Gebundenen lag zwischen zwölf und zwölfeinhalb Jahre; aber es gibt unbestreitbare Beweise von Verlobungen und Ehen in einem noch früheren Alter ...

Die Verlobung, welcher eine Brautwerbung und die Abfassung eines Ehevertrags voranging, bezeichneten den Erwerb einer Frau durch einen Mann und damit die Gültigkeit der Ehe. Die Verlobte wird ‚Ehefrau' genannt, kann eine Witwe werden, durch Scheidung weggeschickt werden und wegen Ehebruchs mit dem Tod bestraft werden. Es ist für die legale Position der Verlobten charakteristisch, dass der Erwerb einer Ehefrau mit dem eines nichtjüdischen Sklaven verglichen wird: 'sie wird mit Geld oder durch eine Urkunde oder durch Geschlechtsverkehr erworben; auf dieselbe Weise: ‚wie ein kanaanitischer Leibeigener mit Geld erworben wird oder durch eine Verfügung oder durch Aneignung (dem Erwerb von Eigentum durch langen, unberührten Besitz)'. Es gibt deshalb eine negative Antwort auf diese Frage: ‚Gibt es dann irgendeinen Unterschied zwischen dem Erwerb einer Ehefrau und dem Erwerb eines Sklaven '?

Im ehelichen Leben war der Ehemann nach der Hochzeit verpflichtet, seine Frau zu versorgen; dieses Recht konnte sie vor einem Gericht einklagen. Er musste sie mit Nahrung, Kleidung und Unterkunft versorgen sowie seine eheliche Pflicht erfüllen ...

Die ersten Pflichten der Ehefrau waren Haushaltspflichten. Sie musste Getreide mahlen, backen, waschen, kochen, die Säuglinge stillen, das Bett ihres Mannes vorbereiten und - als Entgelt für ihren Lebensunterhalt - Wolle spinnen und weben. Weitere Pflichten bestanden in der Vorbereitung für die eheliche Liebe ihres Mannes. Sie hatte ihm sein Gesicht, seine Hände und seine Füße zu waschen. Diese Pflichten drückten ihre unterwürfige Beziehung zu ihrem Mann aus; doch gingen seine Rechte ihr gegenüber noch weiter. Er erhob Anspruch auf alles, was seine Frau fand, auch auf Lohn, den sie für ihre manuelle Arbeit verdiente, und er hatte auf Grund von 4.Mose 30,7-9 das Recht, ihre Gelübde zu annullieren. Die Ehefrau war verpflichtet, ihrem Ehemann so zu gehorchen, wie sie einem Chef gehorchen würde - der Ehemann wurde ‚rab' [Meister] genannt -; denn dieser Gehorsam war wirklich eine religiöse Pflicht. Diese Gehorsamspflicht ging so weit, dass der Ehemann seine Frau zu einem Gelübde zwingen konnte. Umgekehrt gaben Gelübde, die die Ehefrau in eine diskreditierende Position brachten, ihr das Recht, vor dem Gericht die Scheidung einzureichen. Beziehungen zwischen Kindern und Eltern wurden auch von der Gehorsamspflicht der Frau gegenüber ihrem Mann bestimmt; die Kinder mussten ihren Vater vor ihrer Mutter respektieren; damit war sie auch verpflichtet, den Vater ihrer Kinder ähnlich zu respektieren...

Besonders zwei Tatsachen zeigen den Grad der Abhängigkeit einer Ehefrau von ihrem Mann: 1.) Polygamie war erlaubt, die Ehefrau musste deshalb tolerieren, dass Konkubinen mit ihr zusammen lebten. Natürlich muss man hinzufügen, dass aus ökonomischen Gründen der Besitz mehrerer Ehefrauen nicht sehr häufig war;
2.) das Recht auf Scheidung bestand ausschließlich für Ehemänner. Die wenigen Fälle, in denen die Frau das Recht hatte, eine legale Annullierung ihrer Ehe zu fordern, wurden bereits oben erwähnt (in dem Buch) ...

Die Situationen, die wir gerade beschrieben haben, spiegelten sich auch in den Vorschriften der religiösen Gesetzgebung dieser Periode wider. So war eine Frau auch vom religiösen Standpunkt aus - besonders mit Rücksicht auf die Torah - einem Mann untergeordnet. Sie war allen Verboten der Torah unterworfen - der ganzen Zivil- und Strafgesetzgebung, einschließlich der Todesstrafe. Jedoch, soweit es die Gebote der Torah betrifft, gilt das folgende: Die Befolgung aller positiven Verordnungen, die von einer Jahreszeit abhängen, obliegt Männern, aber nicht Frauen. Wegen dieser ungenauen Formulierung wird eine Serie von Geboten zitiert, von denen die Ehefrau befreit ist: Wallfahrten nach Jerusalem zu den Festen - Passahfest, Pfingsten und Laubhüttenfest - zu machen, in Hütten zu wohnen, das Schofar zu Neujahr zu blasen, das Buch Esther am Purimfest zu lesen, täglich das Schema aus 5.Mose 6,4-9; 11,13-21 und 4.Mose. 15,37-41 zu lesen, usw... Weiterhin war sie vom Torahstudium befreit. R. Eliezer (ca. 90 n.Chr.) sagt beeindruckend, dass ein Mann, der seiner Tochter Torah-Wissen vermittelt, sich so verhält, als würde er ihr Lüsternheit lehren'. Die Idee, dass die Torah auch Töchtern gelehrt werden sollte, und dass nur das mündliche Gesetz von ihnen fern gehalten werden sollte, repräsentierte das alte Gesetz nicht im geringsten. In jedem Fall waren Schulen einzig für Jungen da und nicht für Mädchen. Von den zwei Bezirken der Synagoge, die das Gesetz des Augustus erwähnt, war der erste Bezirk, wo der liturgische Gottesdienst stattfand, auch Frauen zugänglich; aber der andere Bezirk, welcher der Lehre durch die Schriftgelehrten vorbehalten war, war nur Männern und Jungen zugänglich, wie sein Name sagt. In den Familien der besseren Klasse jedoch wurde ‚den Mädchen eine säkulare Bildung vermittelt; zum Beispiel wurden ihnen Griechisch gelehrt, was für sie ein Ornament ist'.

Wie die religiösen Pflichten einer Frau beschränkt waren, so waren es auch ihre religiösen Rechte. Nach Josephus konnten Frauen nicht weiter in den Tempel hineingehen, als in die Höfe für Nichtjuden und Frauen. Während der Zeit ihrer monatlichen Reinigung und auch während einer Periode von vierzig Tagen nach der Geburt eines Sohns war ihnen sogar der Hof für Nichtjuden verwehrt. Aufgrund von 5.Mose 31,12 konnten Frauen wie Männer und Kinder am Synagogendienst teilnehmen, aber Absperrungsbänder trennten den Bezirk der Frauen ab. Später gingen sie sogar soweit, eine Galerie für Frauen mit einem speziellen Eingang zu bauen. Im liturgischen Teil des Gottesdienstes waren Frauen nur anwesend, um zuzuhören. Um es klarzustellen: in früheren Zeiten scheinen sie nicht vom Aufruf ausgeschlossen worden zu sein, die Torah zu lesen. Doch zur Tannaitischen Zeit war es nicht üblich, dass sie dem Aufruf zu lesen gehorchten. Frauen wurde das Lehren verboten. Im Haus wurde die Ehefrau nicht zu den Personen gezählt, die man aufforderte, nach einer Mahlzeit einen Segen zu sprechen. Zuletzt müssen wir berichten, dass eine Frau kein Recht hatte, Zeuge zu sein, weil man aus 1.Mose 18,15 schloss, dass sie ein Lügner ist. Ihr Zeugnis war nur in einigen sehr außergewöhnlichen Fällen akzeptabel, in denen auch das eines nichtjüdischen Sklaven (in denselben Fällen) akzeptabel war: z.B. im Fall der Wiederverheiratung einer Witwe wurde das Zeugnis einer Frau bezüglich des Todes des Ehemannes anerkannt.

Insgesamt gesehen kann man die Position von Frauen in der religiösen Gesetzgebung am besten durch diese ständig wiederholte Formel ausdrücken: ‚Frauen, (nichtjüdische) Sklaven und Kinder (minars)'. Wie ein nichtjüdischer Sklave und ein minderjähriges Kind hat eine Frau einen Mann über sich, der ihr Meister ist; dies grenzt ebenso ihre Beteiligung am Gottesdienst ein, weil sie aus religiöser Sicht minderwertiger ist als ein Mann.

Man kann diesem allen hinzufügen, dass reichlich verächtliche Meinungen in Bezug auf Frauen zum Ausdruck kamen. Es trifft einen, wenn man sieht, wie solche Ansichten die keinesfalls fehlenden Meinungen hoher Wertschätzung überwiegen. Es ist typisch, dass Freude bei der Geburt eines Jungen (Jer. 20,15) herrschte, während die Geburt einer Tochter oft mit Gleichgültigkeit, ja sogar mit Trauer aufgenommen wurde. Wir haben deshalb den Eindruck, dass auch das Judentum zur Zeit Jesu eine sehr niedrige Meinung von Frauen hatte, wie es im Orient üblich ist, wo die Frau vor allem wegen ihrer Fruchtbarkeit geschätzt wird, aber, so weit wie möglich, von der äußeren Welt abgeschieden ist, der Macht ihres Vaters oder ihres Ehemannes unterworfen ist, und wo sie vom religiösen Standpunkt im Vergleich zu Männern minderwertig (untergeordnet) ist.' Jerusalem in the Time of Jesus, (Jerusalem zur Zeit Jesu) von Joachim Jeremias, S. 359-375.

Nächstes Mal beginnen wir mit der Untersuchung vieler Verse im Neuen Testament, die einen Eindruck geben, wie Gott christliche Frauen betrachtet.

Originaltitel: WHAT PAUL REALLY SAID ABOUT WOMEN
Genfer-Bibel-Übersetzung, wenn nicht anders angegeben
download

Ein Artikel von www.wcg.org/de
Veröffentlichungen bedürfen der vorherigen Genehmigung von www.wcg.org/de oder der Autoren.

Stiftung Weltweite Kirche Gottes in Deutschland 
Hohe Strasse 87
D-53119 Bonn
Telefon: (06 242) 7055
Telefax: N/A
http://www.wcg.org/de

Die URL für diesen Artikel ist: