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Eine kurze Geschichte der Weltweiten Kirche Gottes

Anfang der Dreißigerjahre begann Herbert W. Armstrong mit einer Radiosendung, einer Zeitschrift und einer Kirche, aus der schließlich The World Tomorrow (Die Welt von morgen), The Plain Truth (Klar & Wahr) und The Worldwide Church of God (Weltweite Kirche Gottes) hervorgingen. Er lehrte viele ungewöhnliche Doktrinen. Diese lehrte er so enthusiastisch, dass schließlich mehr als 100 000 Menschen die wöchentlichen Gottesdienste besuchten. Nach seinem Tode im Jahre 1986 begannen die Leiter der Kirche zu erkennen, dass viele seiner Doktrinen unbiblisch waren. Diese Lehren wurden zurückgewiesen. Heute sind die Kirche und The Plain Truth in Übereinstimmung mit den Glaubenssätzen der National Association of Evangelicals (Nationale Evangelische Allianz in den USA). Hier ist die Geschichte, wie sich die Kirche entwickelte und wie sie sich wandelte.

Die neue Weltweite Kirche Gottes
Jesus Christus verändert Menschenleben. Er kann auch eine Organisation ändern. Dies ist die Geschichte, wie der Herr die Weltweite Kirche Gottes (WKG) von einer unorthodoxen Kirche, die sich am Rande des Christentums befand, in eine evangelikale Kirche umwandelte, die orthodoxe Doktrinen glaubt und lehrt.

Die Geschichte schließt beides, Schmerz und Freude, mit ein. Tausende von Mitgliedern verließen die Kirche. Das Einkommen beträgt weniger als ein Viertel von dem, was es einmal war. Aber Tausende von Mitgliedern sind voller Freude und mit erneutem Eifer für ihren Herrn und Heiland Jesus Christus erfüllt.

Kapitel 1: Die kurze Geschichte unseres Wachstums
Die Geschichte beginnt Anfang der Zwanzigerjahre in Oregon, USA. Herbert Armstrong, ein Anzeigen-Designer, akzeptiert Jesus Christus als seinen Retter. Er beschrieb es in seiner Autobiographie:

"Jesus Christus hat mich erkauft und durch seinen Tod für mein Leben bezahlt. Es gehörte in Wirklichkeit ihm, und nun sagte ich ihm, dass er es haben könnte! Von diesem Zeitpunkt an war dieses besiegte, zu nichts mehr zu gebrauchende Leben in Gottes Händen. Ich konnte nicht sehen, wie es für ihn irgendeinen Wert haben sollte. Aber es war sein, um es als sein Werkzeug zu benutzen, falls er es zu benutzen gedachte ...

Indem ich mich Gott in vollständiger Reue hingab, fand ich unbeschreibliche Freude darin, Jesus Christus als persönlichen Erlöser und gegenwärtigen Hohenpriester anzunehmen ... Irgendwie begann ich festzustellen, dass eine neue Gemeinschaft und Freundschaft in mein Leben gekommen war. Ich wurde mir eines Kontaktes und einer Gemeinschaft mit Christus und mit Gott dem Vater bewußt ...

Als ich die Bibel las und studierte, sprach Gott zu mir, und nun hörte ich mit Freude zu! Ich begann zu beten und wusste, dass ich im Gebet mit Gott sprach. Ich war mit Gott noch nicht sehr gut vertraut. Aber man wird durch ständigen Kontakt und fortwährende Kommunikation mit Gott besser vertraut. So fuhr ich mit dem Bibelstudium fort. Ich fing an, in Artikelform das niederzuschreiben, was ich lernte."

Als Herbert Armstrong die Bibel studierte, kam er zu einer Reihe von ungewöhnlichen Schlussfolgerungen. Schließlich begann er zu predigen und kleine Gemeinden von Gläubigen zu leiten. Anfang der Dreißigerjahre startete er eine Radiosendung und eine kleine Zeitschrift.

Herr Armstrong konzentrierte sich oft auf Gebiete, in denen sich seine Schlußfolgerungen zu den traditionellen Lehren unterschieden. Dies erweckte Interesse. Er betonte das Ungewöhn­liche, das, was nie zuvor verstanden wurde. Mit dem Talent für Werbung erweckte er Inter­esse an verschiedenen Doktrinen, indem er Dinge lehrte, die andere Prediger nicht lehrten.

Die meisten Leute haben seine ungewöhnlichen Ansichten nicht akzeptiert, aber er überzeugte einige, dass die traditionellen Kirchen falsch lagen und dass er die Wahrheit besaß. Diese kleine Gruppe unterstützte sein Rundfunkprogramm (genannt The World Tomorrow) und die Zeitschrift (genannt The Plain Truth). Die Finanzen waren stets knapp, aber sein Werk wuchs nach und nach entlang der Pazifikküste der Vereinigten Staaten.

Umzug nach Pasadena, Kalifornien
Im Jahre 1947 verlagerte Herbert Armstrong sein Werk nach Südkalifornien, um besseren Zugang zur Radioindustrie zu erlangen. Er begann auch eine kleine Schule, um Leiter für die Kirche auszubilden – Ambassador College in Pasadena. Die Finanzen waren weiterhin sehr knapp, aber das Werk wuchs weiter, als Sendezeit bei mehr und mehr Radiostationen gekauft wurde.

Da die Botschaft über ganz Nordamerika via Radio verbreitet wurde, waren die Leute, die darauf reagierten, über ganz Nordamerika und Kanada verstreut. Junge Absolventen von Ambassador College wurden zu verschiedenen Städten entsandt, um die Gläubigen in kleinen Gemeinden zu sammeln.

Die Kirche wuchs in den Fünfziger- und Sechzigerjahren rapide. Das Radioprogramm wurde nach England, Australien, die Philippinen, Lateinamerika und Afrika ausgeweitet. Kirchenbüros wurden in zahlreichen Orten weltweit eröffnet. Der Name der Kirche wurde von Radio Church of God in Worldwide Church of God (Weltweite Kirche Gottes) geändert.

Das Wachstum begann sich jedoch in den siebziger Jahren zu verlangsamen. Christus kam nicht im Jahre 1975 zurück, wie viele Prediger spekuliert hatten. Einige unbedeutendere Doktrinen wurden geändert, wodurch sich der Respekt einiger Mitglieder in Bezug auf Herrn Armstrongs Autorität in Lehrfragen verringerte. Herrn Armstrongs Sohn, der von vielen als offensichtlicher Erbe betrachtet wurde, wurde der Unschicklichkeit bezichtigt und verließ die Kirche mit einigen tausend Mitgliedern, um die Church of God International zu gründen.

Nichtsdestotrotz waren viele Menschen weiterhin von Armstrongs Stil und Lehren angezogen, und die Kirche wuchs langsam weiter, bis Herr Armstrong im Jahre 1986 im Alter von 93 Jahren starb. Er ließ eine Glaubensgemeinschaft zurück, die 120 000 wöchentliche Ver­sammlungsbesucher zählte. Das jährliche Einkommen betrug 200 Millionen US-Dollar. Die monatliche Auflage der Plain Truth ging in die Millionen, und das Fernsehprogramm war eines der zwei Spitzenprogramme in Amerika.

Unorthodoxe Doktrinen
Da die Weltweite Kirche Gottes das traditionelle Christentum kritisierte, zog sie auch Kritik auf sich. Viele Menschen hielten Herbert Armstrong für den Führer eines häretischen Kultes. Heute weisen die Leiter der Weltweiten Kirche Gottes Armstrongs doktrinäre Irrtümer zurück, aber wir verstecken unsere Vergangenheit nicht. Vielmehr erkennen wir an, dass unsere Irrtümer tief und ernst waren, aber dass Christus uns von ihnen befreit hat.

In mancher Weise sind wir wie Paulus aus Tarsus, der eifrig Christen verfolgte. Er wurde von Christus konfrontiert, umgewandelt und mit einem neuen Auftrag betraut. Obwohl er gleich über Christus zu predigen begann, folgte seine bedeutendste Arbeit erst etwa zehn Jahre später, als er als Paulus, der Missions-Apostel, bekannt wurde.

Wir hoffen, dass wir auch von Christus gebraucht werden, sein Evangelium in aller Welt zu verkünden. Aber damit nehmen wir die Geschichte vorweg. Um die heutige Weltweite Kirche Gottes zu verstehen, ist es hilfreich zu betrachten, wie sie begann. Wir wenden uns jetzt der doktrinären „Mischung“ zu, die Armstrong sowohl interessant als auch unorthodox machte.

Drei Doktrinen waren bei Armstrongs Bekehrung instrumental: 1) Dass Gott der Schöpfer ist, 2) dass die Bibel wahr ist, und 3) dass die Bibel den Sabbat nicht auf den Sonntag verlegt. Armstrong wurde von einem Mitglied der Church of God, Seventh Day (Kirche Gottes vom Siebenten Tage) zu dieser Doktrin hingeführt, einer kleinen Gruppe, die einige Ähnlichkeiten mit den Siebenten-Tags-Adventisten hat.

Armstrong war eifrig darauf bedacht, Gott zu gehorchen, und er sah in der Heiligen Schrift, dass Gott seinem Volk befahl, den siebten Tag als Sabbat zu halten. Obwohl die meisten Christen den siebten Tag nicht halten, war niemand in der Lage, Herrn Armstrong zu beweisen, dass Gott jemals sein Volk autorisierte, dieses Gebot zu ignorieren oder zu ändern. Armstrong meinte, dass er zwischen der Bibel und der Tradition wählen musste, und er entschied sich für die Bibel. Er hatte jedoch keine Seminarausbildung oder irgendein Studium von Kirchenge­schichte, Bibelauslegung oder der ursprünglichen Sprachen der Heiligen Schrift.

Er folgerte daraus: Wenn das traditionelle Christentum in einem solchen Hauptpunkt falsch liegen konnte, dann würde das wahrscheinlich auch bei anderen Punkten der Fall sein. Armstrong wurde gegenüber jeder christlichen Tradition skeptisch, und er studierte alles von vorne. Er konnte für viele traditionelle Doktrinen keinen biblischen Beweis finden. Diese Voreingenommenheit gegenüber der traditionellen Orthodoxie wurde ein Teil der Kultur der Weltweiten Kirche Gottes und es erweckte das Interesse vieler Menschen.

Armstrong hatte einen hohen Respekt vor der Heiligen Schrift. Wenn die Bibel es sagte, war er bereitwillig, es zu tun, egal wie schwer es sein würde. Sein Eifer ist lobenswert – und sein Respekt vor der heiligen Schrift machte seine Botschaft noch glaubwürdiger. „Glauben Sie nicht mir", sagte er oft „glauben Sie der Bibel. Blasen Sie den Staub von Ihrer Bibel und lesen Sie, was sie sagt.“ Viele Leute waren über das, was sie fanden, überrascht.

Armstrong glaubte, dass Jesus Gott ist, aber legte gewöhnlich viel mehr Betonung auf Gott-Vater. Der Grund dafür ist, dass einige Kirchen sich so stark auf Jesus konzentrierten, so dass sie „billige Gnade“ (wie Dietrich Bonhöffer es später nannte) anboten. Armstrong betonte Gottes Rolle als Gesetzgeber, als den Einen, dem man gehorchen muss.

Armstrong nahm Jesus als Herrn und Erlöser an, ein stellvertretendes Opfer für unsere Sünden, als göttlich. Aber er hatte nicht die theologische Ausbildung, um zu verstehen, wie man die biblischen Aussagen auf einen Nenner bringt, dass Jesus Gott ist und dass der Vater Gott ist und dass es doch nur einen Gott gibt. Er lehrte fälschlicherweise, dass Gott eine Familie ist, und dass der Vater und Jesus zwei Wesen in dieser Familie sind und dass Menschen bei der Aufer­stehung als Mitglieder der Gottfamilie wiedergeboren werden.

Armstrong fand keinen biblischen Beweis, dass der heilige Geist eine separate Person ist, daher lehrte er, dass der heilige Geist eine unpersönliche Kraft ist. Darin war seine Lehre den Zeugen Jehovas ähnlich, aber es gibt keinen Beweis, dass er diese Lehre von ihnen entlehnte. Diese antitrinitarische Sicht hatte es in mehreren Gruppen gegeben.

Armstrong glaubte, dass das Heil aus Gnade durch den Glauben an Jesus Christus kommt, aber er betonte auch die Notwendigkeit, Gott zu gehorchen. Eine Betonung, das Gesetz zu halten, stellte eine andere wichtige Komponente der WKG-Kultur dar.

Armstrong predigte, dass eine Person Gottes Gebote halten wird, wenn sie Gott liebt. Wenn eine Person den Sabbat nicht hält, so schlussfolgerte Armstrong, dann kann diese Person Gott nicht lieben. Unglücklicherweise betrachtete er den Sabbat als das „Testgebot“ – in der Tat als eine Voraussetzung, um als wahrer Christ zu gelten. Andere Kirchen waren falsche Kirchen, Kinder des Teufels.

Zusätzlich zum wöchentlichen Sabbat hielt die WKG sieben jährliche Festtage, basierend auf 3. Mose 23. Die WKG-Mitglieder vermieden Schweinefleisch, Garnelen und bestimmte andere Speisen (3. Mose 11). Sie gaben einen Zehnten (= 10 Prozent) für das Werk Gottes, einen weiteren Zehnten, um die jährlichen Festtage zu halten, und in bestimmten Jahren einen dritten Zehnten an die Kirche für ihre bedürftigen Mitglieder. Die finanziellen Anforderungen waren hoch, aber sie erhöhten auch den Grad der Verpflichtung. Wo der Schatz einer Person ist, dort wird auch das Herz sein. Mitglieder der WKG hatten ihr Herz in der Kirche und ihrem Werk.

Armstrong lehrte, dass Reue eine Änderung im Verhalten mit einschließt, dass das Christentum eine Lebensweise ist. In der WKG zielte dies in erster Linie auf Verbote ab. WKG-Mitgliedern wurde nicht erlaubt zu wählen, Militärdienst zu leisten, nach einer Scheidung wieder zu heiraten, zu Ärzten zu gehen, Kosmetika zu benutzen oder Weihnachten, Ostern und Geburtstage zu feiern. All diese Betonung auf Regeln bedeutete jedoch, dass Gnade selten betont wurde. Viele Mitglieder wurden in ihrer eigenen Beziehung zu Gott legalistisch und richteten andere Christen.

Armstrong betrachtete sich selber als Gottes Apostel, der die eine wahre Kirche führte. Armstrong hatte alle Autorität – doktrinär, finanziell und administrativ. Wenn jemand illoyal war, wurde diese Person gefeuert und aus der Kirchengemeinschaft ausgeschlossen.

Armstrong hatte auch viele ungewöhnliche Ideen über Prophetie, und diese mögen von allen die Doktrinen gewesen sein, die am anziehendsten waren. Er lehrte, dass die Vereinigten Staaten und Großbritannien die modernen Nachfahren der zehn nördlichen Stämme Israels waren und dass sich deshalb viele biblische Prophezeiungen auf die angelsächsischen Völker beziehen. Er sah sich selber als endzeitliche Erfüllung von Prophetie, mit einer Warnung für die „israelitischen“ Völker.

Die Große Trübsal würde bald beginnen, warnte er in den Dreißiger-, in den Vierziger-, in den Fünfziger-, in den Sechziger-, in den Siebziger- und in den Achtzigerjahren – aber die gute Nachricht war, dass Christus bald zurückkehren und 1 000 Jahre regieren wird. Das Millennium war für Armstrong in der Tat so wichtig, dass es zum Mittelpunkt des Evangeliums wurde. Es war der Grund, warum die Radio- und Fernsehsendungen den Titel „Die Welt von morgen“ trugen. Das Millennium war die gute Nachricht.

Offensichtlich befinden sich in dieser Auflistung eine Menge von doktrinären Irrtümern. Ebenfalls offensichtlich: Wir würden diese nicht als Irrtümer bezeichnen, hätten wir nicht verstanden, warum sie falsch waren. Wir haben hart gearbeitet, um unsere eigenen Mitglieder darüber zu informieren, wo wir in die Irre gingen – und wir sagen mit aller Ehrlichkeit „wir“ , denn alle gegenwärtigen Führer der Kirche glaubten und lehrten einst diese falschen Lehren. Wir haben alle anderen Christen als falsch, verführt und Kinder des Teufels bezeichnet.

Wir haben vieles, wofür wir uns entschuldigen müssen. Es tut uns aus tiefstem Herzen leid, dass wir Christen beschuldigt und Differenzen und Uneinigkeit im Leib Christi verursacht haben. Wir suchen Vergebung und Versöhnung.

Kapitel 2: Ein Jahrzehnt von schmerzhafter Veränderung
Viel von unserem doktrinären Fundament war fehlerhaft. Und doch war ein Teil davon wahr. Einige unserer Mitglieder kamen von anderen Glaubensgemeinschaften, aber andere waren Leute, die keiner Kirche zugehörten und wenig vorherige Erfahrung mit dem Christentum hatten. Viele Mitglieder kamen in der Weltweiten Kirche Gottes zu Christus, sie nahmen seinen Tod für ihre Sünden an und setzten ihr Vertrauen in bezug auf das Heil auf ihn. Viele Leben wurden von Sünde und Selbstsucht hin zur Dienstbereitschaft und Demut verwandelt. Ein Lebenskeim setzte sich innerhalb der Kruste von falschen Doktrinen fort.


Nachdem Herbert Armstrong verstorben war, begann dieser Lebenskeim langsam zu wachsen, indem er die Kruste durchbrach, die ihn einst eingeengt hatte. Es brauchte viele Jahre – und viele Tränen. Hier ist die Geschichte:

Joseph Tkach sen.
Kurz vor seinem Tode, im Jahre 1986, ernannte Herbert Armstrong Joseph Tkach als seinen Nachfolger. Tkach war ein loyaler Mann, der die Aufsicht über alle Prediger hatte. Er war mehr der Typ eines Administrators als die magnetische Persönlich­keit, die Armstrong gewesen war. Tkach ernannte andere Leute, um das Fernseh­programm zu präsentieren und Artikel zu schreiben.

Die Kirche setzte ihr Wachstum langsam fort. Im Jahre 1988 führte Tkach geringfügige doktrinäre Änderungen durch. Er lehrte die Mitglieder, dass es erlaubt sei, zu Ärzten zu gehen, Medizin zu nehmen, Geburtstage zu feiern und Make-up zu tragen. Er erkannte, dass viele der prophetischen Spekulationen, die das Fernsehprogramm und die Zeitschrift interessant gemacht hatten, in Wirklichkeit aus der Heiligen Schrift nicht bewiesen werden konnten.

Es kamen auch Fragen in Bezug auf einige Dinge auf, die Armstrong geschrieben hatte, und einige seiner Bücher wurden aus dem Verkehr gezogen, bis weiteres Studium die Fragen beantworten konnte. Einige Mitglieder waren beunruhigt, dass die Kirche nicht mehr länger die gleichen Dinge lehrte, die Armstrong gelehrt hatte, und im Jahre 1989 trennten sich 3 000 Mitglieder und gründeten die Philadelphia Church of God, um die Lehren Armstrongs beizubehalten.

Im Jahre 1990 erreichte die wöchentliche Zahl der Gottesdienstbesucher mit 133 000 einen Höchststand. Weitere doktrinäre Änderungen wurden durchgeführt, nachdem Herr Tkach erkannte, dass einige von Armstrongs ungewöhnlichen Glaubenssätzen, wenngleich aufrichtig, unbiblisch waren. Der Mittelpunkt des Evangeliums ist Jesus Christus und Gnade, nicht Prophetie oder das Millennium. Budgetäre Kürzungen begannen sich auf die Fernsehsendung auszuwirken. Mehr von Armstrongs Literatur wurde aus dem Verkehr gezogen und/oder revidiert.

Im Jahre 1991 revidierte Tkach die Erklärung der Kirche zur Bedeutung des Wiedergeboren­seins und merkte auch an, dass es Menschen niemals bestimmt ist, Gott zu werden. Er kündigte auch ein Studium über die moderne Identität der verlorenen zehn Stämme an und akzeptierte die Göttlichkeit des heiligen Geistes. Die Zahl der Mitglieder, der Versammlungs­besucher sowie das Einkommen gingen langsam zurück.

Im Jahre 1992 ging das Einkommen weiter zurück, und ein prominenter Prediger und
3000 Mitglieder trennten sich und gründeten die Global Church of God.

Im Jahre 1993 akzeptierte die Kirche die Lehre von der Dreieinigkeit. Die Kirche erklärte, dass das Kreuz kein heidnisches Symbol ist, dass es keine Sünde ist, Abbildungen von Jesus zu haben, und dass Christen wählen können. Solche Änderungen mögen für die meisten Christen unbedeutend scheinen, aber jede Änderung war für Mitglieder der WKG bedeutsam, weil jede Änderung stark hochgehaltene Glaubenssätze attackierte, wie wir unsere Hingabe für Gott zum Ausdruck bringen sollten. Jede Änderung musste durch die Heilige Schrift erklärt werden, und musste erläutern, in welcher Hinsicht frühere Erklärungen inkorrekt waren.

Im Jahre 1994 wurde das Fernsehprogramm eingestellt, und Angestellte wurden entlassen. Die Kirche erklärte den Mitgliedern auch, dass es wahre Christen in anderen Glaubensgemein­schaften gibt.

Die vielleicht traumatischste Änderung folgte im Dezember 1994: Tkach gab bekannt, dass Christen Gesetze des Alten Bundes wie den wöchentlichen und die jährlichen Sabbate, zwei oder drei Zehnten, das Vermeiden von Schweinefleisch, Garnelen und anderen Speisen nicht zu halten brauchen. In vielfacher Weise war der Sabbat die grundlegende Doktrin der ganzen Glaubensgemeinschaft gewesen, so war dies die größte aller Änderungen.

Viele Mitglieder akzeptierten diese Änderungen nicht. Nach Jahrzehnten, in denen sie ihre Identität als Christen am Sabbathalten festgemacht hatten und nachdem sie viele Opfer gebracht hatten, um den Sabbat zu halten, konnten sie die Idee, dass es wirklich keine Rolle spielte, nicht akzeptieren.

Anfang 1995 trennten sich Hunderte von Predigern und 12000 Mitglieder und gründeten die United Church of God. Weitere Tausende hörten auf, irgendeine Kirche zu besuchen, und viele Gemeinden blieben mit nur der Hälfte von Mitgliedern, die sie bisher hatten, zurück. Das Einkommen der Kirche ging um weitere 50 Prozent zurück, und Hunderte von Angestellten wurden entlassen. Freunde und Familien wurden auseinandergerissen. Es war eine Zeit der Qual und der Depression.

Aber es ereignete sich auch etwas unerwartetes: Viele Mitglieder fingen an, ein neues Gefühl von innerem Frieden und Freude durch einen erneuerten Glauben in Jesus Christus zu erleben, nachdem sie sich abgemüht hatten, die doktrinären Änderungen zu verstehen. Ihre Identität lag in ihm (Christus), nicht in bestimmten Gesetzen, die sie hielten.

Das Lehre über den Sabbat wurde geändert, um mehr die Bibel zu reflektieren; das Ergebnis war, dass Mitglieder geistlicher wurden. Mitglieder betonten jetzt die Beziehung zu Jesus Christus mehr; sie hatten auch ein verstärktes Interesse an Anbetung. In bezug auf die Organisation hatte diese doktrinäre Änderung katastrophale Folgen. Aber in geistlicher Hinsicht war es das Beste, was der WKG jemals passierte.

Einige zusätzliche Änderungen gab es im Jahre 1995: Die Kirche wies offiziell die Lehre zurück, dass die Angelsachsen von den Stämmen Israels abstammten, und die Kirche erlaubte das Feiern von Festen wie Weihnachten und Ostern.

Noch etwas Wichtiges passierte im Jahre 1995: Joseph Tkach sen. starb nach einem kurzen Kampf gegen den Krebs. Er bestimmte seinen Sohn Joe als seinen Nachfolger, und der Vorstand nahm diese Ernennung an.

Joseph Tkach jun.
Es war ein tumultartiges Jahr. Nun ist die Weltweite Kirche Gottes etwa halb so groß, wie sie früher war. Das Fernsehprogramm, einst eines der größten in Amerika, wurde eingestellt. Die Auflage der Zeitschrift The Plain Truth sank von einem Höchststand von 8 000 000 auf weniger als 150 000. Die Anzahl der Angestellten in Pasadena fiel von 1000 auf ca. 180. Sogar einige Pastoren wurden entlassen, und ehrenamtliche Pastoren sind für kleine Gemeinden ernannt worden.

Die Liegenschaften in Pasadena sind stark unterbenutzt und stehen zum Verkauf. Ambassador College/University musste schließen, weil die Kirche es nicht mehr subventionieren konnte, und die Liegenschaften stehen ebenfalls zum Verkauf. Eine Ära des Wandels nähert sich ihrem Ende.

Evangelikale Kirchen haben ihre Haltung gegenüber der WKG ebenfalls neu bewertet. Eine der ersten freundlichen Gruppen war die Haggard School of Theology an der Azusa Pacific University. Auch das Fuller Theological Seminary hat uns geholfen. Sektenbeobachtende Gruppen wie das Christian Research Institute lobten die Kirche, als sie die Doktrin von der Dreieinigkeit akzeptierte. Im Jahre 1995 nahmen uns mehr Evangelikale als Brüder und Schwestern im Glauben an. Wir erwähnen im besonderen die International Church of the Four Square Gospel. Wir sind dankbar für diese Gesten der Versöhnung.

Im März 1996 schrieb Joe Tkach einen Artikel in The Plain Truth, in dem er sich bei Mitgliedern und allen, die durch die falschen Lehren und Praktiken der Kirche verletzt worden waren, entschuldigte. Er bat um Vergebung und Kooperation. Im Juli 1996 veröffentlichte Christianity Today einen langen Artikel über die Weltweite Kirche Gottes – „From the Fringe to the Fold“ (Vom Rande zur Mitte) von Ruth Tucker. Und im Jahre 1997 wurde die Kirche als Mitglied der National Association of Evangelicals (Nationale Ev­angelische Allianz der USA) akzeptiert.

Kapitel 3: Am Scheideweg
Nach seiner Begegnung mit Christus auf dem Weg nach Damaskus begann der Apostel Paulus gleich zu predigen, dass Christus der Sohn Gottes ist (Apg. 9:20). Aber er wurde nicht sofort in der christlichen Gemeinschaft akzeptiert. Die Christen in Jerusalem waren skeptisch, und es brauchte einen Brückenbauer wie Barnabas, um ihn in die Gruppe zu bringen (Verse 26-27). Nicht lange danach wurde Paulus nach Tarsus geschickt.

Gott hatte große Pläne für Paulus – aber es brauchte eine geraume Zeit, bis diese Pläne ausgeführt wurden. Paulus verbrachte drei Jahre in Arabien, noch mehr Jahre in Tarsus. Was und wem er predigte, wissen wir nicht. Aber es muss für Paulus eine Zeit gewesen sein, seine Gedanken zu ordnen. Er hatte die Argumente der frühen Christen gehört; er kannte die Argumente der ungläubigen Juden gut. Und er wurde mit dem unleugbaren Beweis konfrontiert, dass Jesus in der Tat der Messias war.

Paulus erhielt Hilfe von seinen neugefundenen christlichen Freunden. Er wusste bereits, was sie lehrten, und sie brachten ihm mehr bei, und doch gab es noch mehr, worüber er nachdenken musste. Warum musste der Messias sterben? Warum hatten die Juden den Messias nicht akzeptiert, den Gott ihnen gegeben hatte? Wo hatte die jüdische Religion sie auf Abwege geführt? Wenn jemand unter den Gesetzen des Alten Bundes vor Gott gerecht dastand, warum musste Gott dann seinen Sohn senden, um für uns zu sterben? Pauls musste über all diese Auswirkungen nachdenken – Gedanken, die wir später in seinen Briefen lesen. Es brauchte viele Jahre, um einen Übergang von einer Anbetung, die im Alten Testament wurzelte, hin zu einem Glauben, der auf dem Neuen Bund basiert, zu vollziehen.

Paulus, den Gott auserwählt hatte, um ein Missionar für die Heiden zu sein, wartete mehrere Jahre "in den Startlöchern". Lukas erwähnt, dass Paulus nicht einmal auf der Bühne war, als die ersten Heiden in die Kirche kamen (Apg. 10). Paulus betritt die Bühne erst, nachdem viele Heiden bereits Teil der Kirche in Antiochia geworden waren (Apg. 11:20-26). Und es war erst geraume Zeit später in Antiochia, dass Paulus dazu kam, die Missionsarbeit, zu der Christus ihn berufen hatte, durchzuführen.

Es gibt viele Ähnlichkeiten zwischen der Geschichte von Paulus und der Geschichte der Weltweiten Kirche Gottes. Wir haben Wurzeln im Alten Bund, und der Neue Bund wurde uns offenbart. Wir haben das Neue mit Freude angenommen, und es gab Leute wie Barnabas, die mitgeholfen haben, uns mit anderen Christen zu versöhnen und uns zu lehren. Und doch benötigen wir einige Zeit, um unsere Identität und unsere Rolle in der christlichen Welt zu verstehen.

Wir haben keine Wahnvorstellung von Größe, dass wir so groß wie der Apostel Paulus sein werden. Wir bilden uns nicht ein, dass wir die Welt auf den Kopf stellen. Wir glauben nicht, dass wir die Kirche transformieren werden, so wie Paulus es tat. Aber wir erwarten, dass Gott uns benutzt, um das Evangelium Jesu Christi zu predigen. Vielleicht gibt es dort draußen eine Marktnische, die unsere spezielle Erfahrung braucht. Vielleicht bereitet uns Gott auf Situationen vor, die noch nicht existieren. Wir wissen es nicht, aber wir bleiben bereit, auf Gottes Führung zu reagieren.

Warum existieren wir?
Als unsere grundlegenden Doktrinen geändert wurden, forderten einige Leute, dass die Weltweite Kirche Gottes einfach ihre Türen schließen und ihren Mitgliedern sagen sollte, dass sie zu anderen authentischen christlichen Kirchen gehen sollten. Ironischerweise hörten wir dies nicht von anderen christlichen Kirchen, sondern von einigen unserer eigenen Mitglieder! Sie waren zornig und bitter, dass die WKG durch die Lehre falscher Doktrinen in ihrem Leben einen solchen Schmerz verursacht hatte. Sie folgerten, dass die WKG auf falsche Vorwände gegründet worden war, und daher kein Recht hatte, weiter zu existieren.

Wir erkennen an, dass viele unserer Doktrinen falsch waren. Wir erkennen an, dass die WKG ohne diese falschen Doktrinen gar nicht existieren würde. Aber wir schließen daraus nicht, dass Jesus Christus uns als Gruppe nur gerettet hat, um uns aufzulösen. Er hat diese Kirche gekauft und dafür bezahlt. Sie gehört ihm, und wir haben ihm gesagt, dass er sie haben kann! Wenn sie für ihn irgendeinen Wert hat, so kann er sie als sein Instrument benutzen, und wir sind glücklich, dass er uns führt. Wir erfreuen uns an der Gemeinschaft, die wir mit ihm haben, und wir glauben, dass er uns bereits nutzbringend gebraucht.

Aufgrund unserer gemeinsam geteilten Erfahrungen haben wir Dinge, die wir als Gruppe lernen müssen, und wir werden diese Dinge nicht lernen, wenn wir uns auflösen. Wir hoffen auch, dass unsere gemeinsamen Erfahrungen uns auch etwas zu lehren geben.

Als Gruppe erfreuen wir uns eines neuen Interesses an der Anbetung. Wir entdecken unsere geistlichen Gaben und Laiendienste. Wir lernen, auf neue Weise zu funktionieren.

Unsere Stärke als Glaubensgemeinschaft schließt einen hohen Respekt gegenüber der Heiligen Schrift und die Bereitwilligkeit, ihr zu folgen, mit ein. Wir erkennen, dass Jesus als unser Retter und Herr uns Anleitungen für unsere Gedanken, Worte und Taten gibt. Wir wissen, dass Christus in der Art und Weise, wie wir leben, einen Unterschied ausmacht. Er verwandelt unser Leben in diesem Zeitalter und schenkt uns auch ewiges Leben.

Wir haben auch Gebet und Bibelstudium als wichtige Aspekte von geistlichem Wachstum betont. Unsere jüngste Geschichte gibt uns einen Blick für Gnade und ein Bewußtheit für Legalismus.

Natürlich ist unsere Geschichte noch nicht vorbei. Jesus ist mit uns noch nicht fertig. Wir werden immer noch für seinen Zweck geformt und gestaltet. Wir preisen ihn und beten ihn an, und suchen seinen Willen in unserem Leben.

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