Trinitarische, Christuszentierte Theologie
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NF Oktober-Dezember 2009
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Was ist das Heil?

Vom 30. Mai bis 1. Juni fand das diesjährige Frauenwochenende im Hotel Milseburg in Hilders-Oberbernhards bei Fulda statt. Insgesamt nahmen 24 Damen an dem Frauentreffen teil, das sich in diesem Jahr zum 8. Mal jährte!
Besonders erfreut waren die deutschsprachigen Teilnehmerinnen über zwei Damen aus den USA: Pat Blubaugh und ihre Freundin Dolores. Pat war schon einige Jahre zuvor Gast bei einem Frauenwochenende der deutschsprachigen Gemeinden der WKG gewesen.
Das Motto des Frauentreffens lautete „Oasen in der Alltagswüste“ – ein Thema, das viele Erwartungen und Sehnsüchte zu erwecken vermag – und in der Tat wurden die Teilnehmerinnen nicht enttäuscht, denn das Wochenende bot ihnen eine gute Gelegenheit sich zu entspannen und geistlich zu erfrischen.
Die Gastreferentin war in diesem Jahr Elke Werner vom Christus-Treff in Marburg. Der Christus-Treff ist eine ökumenische Gemeinschaft von Christen, die offen ist für alle. Elke Werner ist Mitbegründerin des Christus-Treffs. Sie hat Evangelische Theologie und Kunst auf Lehramt studiert und ist mit dem Gesamtleiter des Christus-Treffs Dr. Roland Werner verheiratet. Sie ist Autorin zahlreicher Bücher und Artikel. Der Titel ihres Referats hatte dem Wochenende sein Motto verliehen: „Oasen in der Alltagswüste“. Im Folgenden ein kurzer Abriss ihres Vortrages:
„Oasen in der Alltagswüste“ – Zusammenfassung des Referats von Elke Werner
Zwei Männer sitzen in einem Zugabteil. Jedes Mal wenn der Zug anhält, gerät der eine Mann völlig aus der Fassung. Er beginnt wild auf und ab zu marschieren, schaut mit angsterfülltem Blick aus dem Fenster, rauft sich die Haare … Doch sobald der Zug sich wieder in Bewegung setzt, wird er wieder ruhig und setzt sich manierlich auf seinen Platz. Der andere Herr schaut sich dieses äußerst ungewöhnliche Verhalten einige Male an, doch dann kann er nicht mehr an sich halten, fasst sich ein Herz und fragt ihn geradeheraus: „Entschuldigen Sie, mein Herr. Wir fahren schon eine ganze Weile in diesem Abteil. Und ich beobachte, dass Sie bei jeder Haltestelle ungewöhnlich aufgeregt reagieren. Können Sie mir sagen warum? Haben Sie ein Problem?“
Der andere Fahrgast seufzt auf: „Immer wenn der Zug anhält, wird es mir wieder bewusst, dass ich in die falsche Richtung fahre.“
„Aber warum, steigen Sie dann beim nächsten Halt nicht einfach in den Zug ein, der in die richtige Richtung fährt?“
„Ach, ich habe doch bereits die Fahrkarte für diesen Zug gekauft und den Sitzplatz habe ich schon bezahlt!“
Seien wir ehrlich – geht es uns nicht oft genauso wie diesem verzweifelten Fahrgast im falschen Zug. „Umsteigen“, „aussteigen“ und dann die Richtung zu wechseln fällt uns oft unheimlich schwer. Besonders dann, wenn wir wie der besagte Mann schon einiges „investiert“ haben, was wir bei Richtungsänderung verlieren könnten. Und selbst, wenn wir nichts verlieren, fällt manchen Zeitgenossen das Ändern eines Kurses an sich schon schwer. Dennoch – steigen wir in den Zug des Lebens um! Denn Jesus hat die Karte UND den Sitzplatz bereits bezahlt!
Fragen wir uns: Wo muss ich Wege ändern? Was ist Gottes Weg für mich? In der geistlichen Wüste des Alltags geht das Zeitgefühl für unser Leben uns oftmals verloren. Wir sehen nur noch die Barrieren, die sich vor uns auftürmen. Mein Mann ist studierter Experte für afrikanische Sprachen. Ich bin oft mit ihm in den afrikanischen Wüsten gewesen und dort können sich einem tatsächlich einige Barrieren in den Weg stellen: Sandstürme, spitze Steine, Sonnenglut, Skorpione, faules Wasser, und gelegentlich begegnen einen Fata Morganen. Schauen wir uns diese „Hügelketten“, diese Barrieren inmitten unserer Alltagswüste einmal näher an:
Sand in der Wüste:
Der Sand in der Wüste ist ein Symbol für unsere Sorgen, und die Sandstürme sind die größten Sorgen in unserem Leben. Und besonders die Deutschen sind ja sehr dafür bekannt, dass sie sich durchschnittlich sehr viele Sorgen machen. Eine kluge Person hat einmal gesagt: „Ich kann mir Sorgen machen, aber ich bin nicht dazu verpflichtet.“ Wir sollten unsere Sorgen Gott übergeben und sie auch bei ihm lassen. Wenn wir zu den Menschen gehören, die dazu neigen, sich sehr viele Sorgen zu machen, sollten wir daran denken, dass wir eine Veränderung in unserem Denken brauchen. Ein Schlüssel für diese innerliche Veränderung ist die Dankbarkeit. Dankbarkeit verändert unser Denken! Überlegen wir: Wo hat Gott uns konkret geholfen? Oder wie der Amerikaner es sagen würde: „Count your blessings!“
Spitze Steine:
Ein Mann schloss Freundschaft mit einem Bären. Er und sein zotteliger Freund trafen sich immer wieder im Wald und unterhielten sich stundenlang miteinander. Es war wirklich eine schöne und tiefe Freundschaft, die beide miteinander verband. Eines Tages dachte der Mann bei sich, dass es doch schön wäre, wenn auch seine Familie seinen neuen Freund kennen lernen würde. Und so schlug er seiner Frau und seinen Kindern vor, den Bären einmal zum Abendessen zu sich einzuladen. Seine Frau sagte zwar zu, war aber sehr besorgt um die Sicherheit ihrer Kinder. Denn bei einem wilden Bären konnte man ja nie wissen, was passieren würde …
Der Abend der Einladung kam und pünktlich um 8 Uhr klopfte der Bär an die Tür des Hauses. Sein Freund öffnete freudig die Haustür. Hinter ihm stand seine ängstliche Frau, mit den noch ängstlicheren Kindern. Freundlich begrüßte der Bär die Gastgeber und trat ein. Doch statt einer freundlichen Erwiderung seines Grußes, brachte die Frau nur einen einzigen Satz hervor: „Der stinkt!“ Aber dann bemühte sie sich doch darum eine gute Gastgeberin zu sein und sie setzen sich an den Tisch. Als der Bär sah, dass die Menschen mit Messer und Gabel essen, versuchte er sich auch darin, doch prompt verletzte er sich und seine Pranken begannen zu bluten. Die Frau bekam fürchterliche Angst davor, dass der Bär nun aggressiv werden würde, was aber nicht der Fall war. Der Mann verband seinem Freund die Wunden und nach dem Abendessen verabschiedete sich sein zotteliger Freund artig bei den Gastgebern. Danach bekam der Mann seinen Freund tagelang nicht mehr zu sehen und er machte sich Sorgen, ob die Verletzungen vielleicht doch schlimmer waren, als es zunächst ausgesehen hatte. So begann er ihn überall im Wald zu suchen. Als er ihn endlich gefunden hatte, fragte er: „Wie geht es deinen Wunden, lieber Bär?“ „Meine Wunden sind verheilt. Doch die Wunde in meinem Herzen, die blutet noch heute.“
Diese Wunde war durch zwei kleine Worte verursacht worden: „Der stinkt!“ Ich denke jeder von uns hat sich durch so manche „spitze Steine“ größere oder kleinere seelische Wunden zugezogen. Und genau wie bei physischen Wunden müssen auch seelische Wunden richtige verarztet werden. Dies geschieht, indem wir vergeben und unsere Wunden reinigen. Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einem KZ-Überlebenden, der als kleiner Junge die Öfen in Auschwitz reinigen musste. Als er über seine Geschichte erzählte, fiel mir auf, dass überhaupt keine Regung von Hass in ihm zu lodern schien, und als er gefragt wurde, wie er dazu in der Lage war, sagte er: „Wenn ich Hitler und die Deutschen hassen würde, würde ich zulassen, dass er immer noch Macht über mich hätte.“
Vergebung ist ein wichtiger Schlüssel, um von den Wunden die uns im Leben zugefügt wurden, geheilt zu werden. Wir sollen anderen nicht diese Art der Macht über uns geben. Manchmal kann dies auch bedeuten, dass man (natürlich in einer Einstellung der Vergebung) sich von der Gesellschaft mancher Menschen trennt, dann wenn ein vernünftiges Miteinander unmöglich wird.
Sonnenglut:
Die Sonnenglut ist ein Symbol für die Stressfaktoren, die uns im Leben auszubrennen drohen. Wenn wir von Aufgaben und Anforderungen überlastet werden.
Skorpione in der Wüste:
Skorpione, das sind die Gefahren und Krankheiten, die uns in der Alltagswüste begegnen. Ich selbst bin von Krebs geheilt worden. (Das bedeutet natürlich nicht, dass Gott jeden Christen immer heilen wird.) Nach der Heilung meinten viele wohlmeinende Freunde, dass ich mich jetzt für den Rest meines Lebens schonen sollte, doch ich war der Überzeugung, dass Gott in diesem Leben noch eine Aufgabe für mich hat. Wir sollten nicht zulassen, dass Gefahren einen negativen Einfluss auf unser Leben haben.
Faules Wasser:
Faules Wasser ist ein Symbol für den Zeitgeist, der eine Epoche durchdringt. Was die Religion betrifft, so kann man feststellen, dass im Gegensatz zum Christentum alle anderen Religionen und Weltanschauungen ein evolutionistisches Gedankengut in sich tragen. Denken wir z.B. an den Buddhismus und den Sozialismus im Gegensatz zum Christentum. In diesen Anschauungen werden die Menschen im Kern als gut betrachtet. Sie können sich durch eigene Anstrengung vom Bösen abkehren und sich zum Guten hin entwickeln.
Das Christentum dagegen sagt ganz klar, dass die Menschen Sünder sind. Die Christen halten den Menschen quasi den Spiegel vor, und das verärgert viele. Wir glauben nicht, dass wir durch eigene Werke gut werden, sondern Gott bewirkt in uns eine Neuschöpfung.
Fata Morgana kontra Oase:
Die Fata Morgana gaukelt einem vor, dass sie ganz nah ist. Sie lockt einen mit ihren Trugbildern in die falsche Richtung. Der Weg zur Oase dagegen mag weit sein, aber jeder Schritt in die richtige Richtung zählt. Wir sollten in unserem alltäglichen Leben Gott in alles mit einbeziehen! Wenn wir das tun, werden wir uns nicht sobald von Trugbildern verführen lassen. Das Kreuz und das leere Grab sind unsere Orientierungspunkte. Wir müssen vom Ziel her denken. Unsere Perspektive muss die Ewigkeitsperspektive sein. Hierbei erinnere ich mich an eine gute Freundin, die an Krebs verstorben ist. Wenn ich sie im Krankenhaus besuchte, bemerkte ich, dass sie mit jedem Tag ihres Sterben in ihrem Wesen langsam so wurde, wie sie jetzt bei Jesus ist. Zum Schluss hatte sie große Sehnsucht danach die Welt verlassen zu können und ich sagte zu ihr: „Weißt du was, ich habe den Eindruck, dass du wegen mir noch ein wenig bleiben sollst.“ Nun ist sie Jesus und ich habe von ihr eines gelernt: Wir sollen vom Ziel her denken. Wir sollen unseren Blick auf die Oase – unsere Heimat bei Christus – richten (5Mo 2,7).
Nachdem wir die Hindernisse der „Alltagswüste“ identifiziert haben, habe ich für unseren Weg zur Oase noch einige praktische Tipps:
• Das Schwerste zuerst tun
• Altlasten abbauen und Ärger loslassen
• Prioritäten setzen und auch fragen: „Was tue ich für mich?“ Denn auch ich bin ein Mitglied meiner Familie und meine Bedürfnisse sollen Beachtung finden
• Die Feinde der Hauptsache sind die ach so „wichtigen“ Nebensachen
• Man braucht einen festen Ort zum Entspannen und für die „stille Zeit“
• Pausen einlegen
• Rituale finden, eventuell auch neu schaffen.
• Auge, Ohr und Nase verwöhnen
• Kraftquellen entdecken (geistliche Disziplinen)
• Gesundes Denken („dem Guten nachdenken“)
Stellen wir uns die Frage: „Wie schaue ich auf mein Leben?“ Und kann ich es wirklich annehmen, dass Gott mich liebt und ich meinen Alltag von ihm bestimmen lassen soll?
(Soweit die Zusammenfassung des Referats von Elke Werner, das sie am Samstagvormittag, den 31. Mai gab.)
Eingeleitet wurde das Frauenwochenende am Freitagabend, den 30. Mai mit einer Begrüßungsansprache von Rosl Mittag (Gemeinde München). Sie leitete außerdem (in Vertretung für Elke Lange) eine interaktive Bibel-Runde ein, in der die Damen ihre Lieblingsbibelstellen miteinander austauschten.
Ein besonderes Highlight war das Abendmahl, das von Pat Blubaugh aus den USA geleitet wurde. Während sie über das Opfer Jesu Christi und seine Bedeutung für uns sprach, ließ sie Liedertexte mittels eines Beamers an die Wand ablichten. Die deutsche Version der englischen Lieder wurde zunächst vorgelesen und dann gemeinsam von den Frauen gesungen. So ergab sich ein Wechsel zwischen der Ansprache von Pat und dem gemeinsamen Gesang der Lieder. Die Damen waren tief bewegt von diesem Abendmahl und eine Teilnehmerin bemerkte: „Dieses Abendmahl werde ich nie vergessen!“
Außerdem bekam jede der Teilnehmerinnen „himmlische Post“: Denn Pat hatte Briefe mitgebracht, die jeweils voneinander verschiedene Texte und die dazu passenden Bibelstellen enthielten. Nachdem die Briefe verschlossen worden waren, betete sie mit einigen Frauen darüber, welches Namensetikett auf welchen Brief geklebt werden sollte. Und so bekam jede der Damen einen ganz individuellen Brief von Jesus – der allerdings dem „himmlischen Postgeheimnis“ untersteht:)
Sonntagvormittag gab Silvia Mair (Gemeinde Bonn) ein Referat mit dem Titel „Urlaub für den Geist machen“. Dabei kristallisierte sie heraus, dass Jesus Christus selbst die Oase ist, nach der wir uns bewusst oder unbewusst sehnen.
Abgeschlossen wurde der Sonntagvormittag durch eine kurze Zusammenfassung des Erlebten von Inge Bock (Gemeinde München) sowie einen gemeinsamen großen Gebetskreis.
Die Lobpreisleitung hatte wie in den Jahren zuvor auch im diesen Jahr Jutta Gutherz aus der Gemeinde München.
Das Frauenwochenende wurde durch eine Wanderung bzw. einem Museumsbesuch abgerundet sowie durch die zahlreichen Gelegenheiten sich auszutauschen und miteinander zu beten.
Agnés Domes (Gemeinde Stuttgart) war für die Buchung des Hotels zuständig und Ursula Ziegler (Gemeinde Stuttgart) hatte die finanzielle Abwicklung inne.
Das Wochenende war in vielerlei Hinsicht eine „Oase in der Alltagswüste. Und ich möchte mit einem Zitat schließen, das der diesjährigen Mappe entstammt, die unter anderem von Jutta Gutherz und Rosl Mittag gestaltet wurde:
„Gott ist die Mitte, um die alles Sein kreist, je näher seinem Herzen, desto stiller, je weiter von ihm, desto lärmender ist das Kreisen in schwindelnder Bewegung. Wo schwingst du im Kreischen, Rasseln und Dröhnen des rasenden Karussells unserer Zeit?
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