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NF Oktober-Dezember 2009
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Wird Christus zurückkehren?

Die Osterzeit (Abendmahl, Fußwaschung und Feier der Auferstehung Christi) hat uns erneut geholfen, Gottes große Liebe und seine wunderbare Gnade in ihrer ganzen Tiefe zu erkennen und zu erfahren.
Johannes 3,16:
"Denn Gott hat die Welt so geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe."
Dieser Vers zeigt uns, wie viel es Gott gekostet hat, uns zu vergeben und unsere Versöhnung mit Ihm zu ermöglichen – es erforderte den (unschuldigen) Tod seines eigenen Sohnes, Jesus Christus!
Unsere Vergebung und Versöhnung kostete Gott alles, was Er überhaupt investieren konnte: Sich selbst, den höchstmöglichsten Preis auf geistlicher Ebene!
Und Er hat diesen Preis bereits bezahlt: Jesus ist auf diese Erde gekommen um abgelehnt, verspottet und gekreuzigt zu werden.
Nun die Frage: Gott hat uns vergeben – vergeben auch wir unseren Schuldnern, koste es was es wolle?
„Vergebung ist keine einmalige Sache, Vergebung ist ein Lebensstil“ (Martin Luther King).
Gottes Vergebung kommt gratis für uns. Wir müssen nichts dafür tun. Gott hat die teure Rechnung bereits beglichen. Wir müssen nur davon Kenntnis nehmen und die Vergebung mit ganzem Herzen und mit Freude annehmen.
Auch unsere Vergebung soll für den Empfänger gratis sein! Sind auch wir bereit, die Rechnung zu begleichen, um unserem Nächsten seine Schuld vergeben zu können?
In gewissen Nationen, wie z.B. Italien, im Falle einer Entführung blockiert der Staat sofort den gesamten Besitz der betroffenen Familie. Dies ist eine Schutzmaßnahme, weil eine betroffene Familie meistens dazu bereit ist, wirklich alles zu geben, um das entführte Familienmitglied, normalerweise ein Kind, von den Entführern loszukaufen.
Auch Gott hat alles gegeben, um uns loszukaufen, Er hat den höchstmöglichsten Preis bezahlt.
Und wie viel sind wir bereit zu bezahlen, um unserem Nächsten zu vergeben? Und wenn es um unseren Feind geht, der ja gar nicht daran interessiert ist, Vergebung zu empfangen?
Menschlich gesehen macht Vergebung keinen Sinn, besonders wenn niemand danach fragt. Wer einen Fehler begeht, soll bezahlen. Wer sich verschuldet, soll bezahlen. Auge für Auge...
Matthäus 5,38-48
"Ihr habt gehört, dass gesagt ist: «Auge um Auge und Zahn um Zahn!» [Mt 5,39] Ich aber sage euch: Ihr sollt dem Bösen nicht widerstehen; sondern wenn dich jemand auf deinen rechten Backen schlägt, so biete ihm auch den andern dar; [Mt 5,40] und wer mit dir rechten und deinen Rock nehmen will, dem lass auch den Mantel; [Mt 5,41] und wenn dich jemand eine Meile weit zu gehen nötigt, so gehe mit ihm zwei. [Mt 5,42] Gib dem, der dich bittet, und wende dich nicht ab von dem, der von dir borgen will. [Mt 5,43] Ihr habt gehört, dass gesagt ist: «Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen!» [Mt 5,44] Ich aber sage euch: Liebet eure Feinde, segnet, die euch fluchen, tut wohl denen, die euch hassen, und bittet für die, so euch beleidigen und verfolgen; [Mt 5,45] auf dass ihr Kinder eures Vaters im Himmel seid. Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. [Mt 5,46] Denn wenn ihr die liebt, die euch lieben, was habt ihr für einen Lohn? Tun nicht die Zöllner dasselbe? [Mt 5,47] Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr Besonderes? Tun nicht auch die Heiden ebenso? [Mt 5,48] Darum sollt ihr vollkommen sein, gleichwie euer himmlischer Vater vollkommen ist!"
Vergebung macht uns vollkommen, macht uns Kinder unseres Vaters im Himmel!
Wir beten zwar jeden Tag, „vergib uns unsere Schulden, wie auch wir unseren Schuldnern vergeben haben“ (Matthäus 6,12), aber vergeben wir unseren Schuldnern wirklich?
Schon die Jünger Jesu hatten ein Problem mit dem Konzept der Vergebung:
Lukas 9,51-56
"Es begab sich aber, als sich die Tage seines Heimgangs erfüllten und er sein Angesicht nach Jerusalem richtete, um dorthin zu reisen, [Lk 9,52] sandte er Boten vor sich her. Diese kamen auf ihrer Reise in ein Samariterdorf und wollten ihm die Herberge bereiten. [Lk 9,53] Aber man nahm ihn nicht auf, weil Jerusalem sein Reiseziel war. [Lk 9,54] Als aber das seine Jünger Jakobus und Johannes sahen, sprachen sie: Herr, willst du, so wollen wir sagen, dass Feuer vom Himmel herabfalle und sie verzehre, wie auch Elia getan hat! [Lk 9,55] Er aber wandte sich und bedrohte sie und sprach: Wisset ihr nicht, welches Geistes [Kinder] ihr seid? [Lk 9,56] Denn des Menschen Sohn ist nicht gekommen, der Menschen Seelen zu verderben, sondern zu erretten. Und sie zogen in ein anderes Dorf."
Jesus kam nicht um die Menschen zu bestrafen, sondern um sie zu erretten. Es ist nicht immer einfach für uns, dies wirklich zu verstehen. Wenn uns jemand weh tut, dann wollen wir Strafe.
Aber welches Geistes Kinder sind wir dann? Können wir uns mit der folgenden Frage von Petrus identifizieren?
Matthäus 18,21-22
"Da trat Petrus herzu und sprach: Herr, wie oft soll ich meinem Bruder vergeben, welcher gegen mich sündigt? Bis siebenmal? [Mt 18,22] Jesus antwortete ihm: Ich sage dir, nicht bis siebenmal, sondern bis siebzigmalsiebenmal!"
Jesus setzt keine Grenzen. Vergebung ist ein Lebensweg oder Lebensstil (Martin Luther King).
Um Seine Worte noch besser zu unterstreichen, gab Jesus dann das Gleichnis vom unbarmherzigen Knecht (Matthäus 18,23-35). Der Erlass der Schuld verlangt nämlich einen Herzenswandel, sonst gibt’s keine Vergebung.
Matthäus 6,14
"Denn wenn ihr den Menschen ihre Fehler vergebet, so wird euer himmlischer Vater euch auch vergeben."
In anderen Worten, wenn wir anderen nicht vergeben, wird Gott seine Vergebung zurückziehen (siehe Gleichnis oben).
Wir müssen folgendes verstehen: Wir vergeben unserem Nächsten nicht, um selber Vergebung zu empfangen, sonder weil uns vergeben worden ist!
Wir sagen: „Ich bin bereit zu vergeben, aber nur wenn mein Nächster Reue zeigt und um Vergebung bittet. Bis dahin behalte ich meinen Groll und lasse meinem Zorn freien Lauf.“ Was ist jedoch das Problem mit dieser Aussage?
Zitat unbekannten Ursprungs:
„Unversöhnlichkeit ist wie Gift trinken und dann erwarten, dass der andere stirbt.“
Wie sieht Gott das Thema der Vergebung? Lesen wir:
Römer 5,8
"Gott aber beweist seine Liebe gegen uns damit, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren."
Wann bezahlte Gott den Preis der Versöhnung? Nachdem wir uns bereut und um Vergebung gebetet haben? Nein, Gott vergab uns als wir noch seine Feinde waren!
Römer 5,10
"Denn, wenn wir, als wir noch Feinde waren, mit Gott versöhnt worden sind durch den Tod seines Sohnes, wie viel mehr werden wir als Versöhnte gerettet werden durch sein Leben!"
Dies ist eine verblüffende Aussage! Gott hat uns schon vergeben, als wir noch seine Feinde waren und Ihn noch gar nicht um Verzeihung gebeten haben.
Habt Ihr es mitbekommen? Der ganzen Welt, allen Sündern, wurde in Jesus Christus bereits Vergebung zuteil! Auch wenn sie sich dies nicht bewusst sind und sich noch nicht bereut haben. Für die WKG ist dies eine ziemlich neue und wunderbare Wahrheit!
Zitat von http://www.salvation.de/Vergebung.html:
„Normalerweise wird gesagt: Nach der bösen Tat braucht es Reue, ein Bekenntnis (z.B. Beichte) und dann gibt es die Vergebung.
Tatsächlich aber stimmt das fast nur in den Fällen, in denen ein Mensch aktives Mitglied einer Gemeinde, einer Sekte oder einer (Selbsthilfe-)Gruppe ist.
Gewöhnlich ist die Einsicht in die Schuld zunächst nämlich gar nicht möglich. Gewöhnlich ist die „böse“ Tat nämlich bereits das Ergebnis eines erheblichen Ärgers, oft durch Verstrickung in einen Gewirr von Schuldgefühlen, Unfähigkeit zum Handeln, von Durchbrüchen unbewusster Aktionen, Verdrängung etc.
In so einem Fall braucht der Täter (vielleicht ein Mörder) zunächst jemanden, der sein Handeln verstehen und aus seinem Verstehen heraus vollkommen entschuldigen kann. Dann erst, wenn der Täter sicher sein kann, nicht für seine Tat verurteilt zu werden, wird Einsicht möglich. Diese Einsicht kommt dann aus dem menschlichen Wesen selbst. Es ist ein Fühlen der Verletzung, die der Täter dem Opfer zugefügt hat. Dieses Fühlen wird den Täter zutiefst erschüttern. Erst jetzt wird er fähig sein zu sagen: Um Gottes willen - was habe ich nur getan? Reue ist in dieser Situation kein Gebot, sondern eine Tatsache. Und gleichzeitig entsteht der Wunsch nach einem Ausgleich, danach, sich selbst einzusetzen entweder für eine Entschädigung des Opfers selbst, wenn das möglich ist, oder für andere Menschen, die sich in einem ähnlichen Gefühls-Gefängnis befinden, um sie davor zu bewahren, ähnliche Schuld auf sich zu laden, oder, wenn sie das schon getan haben, sie zur Einsicht zu führen. Gleichzeitig findet auf dieser Erlebnisebene die Vergebung statt, ja man könnte sagen, die Wiedergutmachung ist eine Reaktion der Dankbarkeit auf die Vergebung (und nicht, dass die Vergebung eine Folge der Wiedergutmachung sei), denn die Vergebung erfolgt durch den Richter "Mensch"; der Richter begegnet dem Täter auf der Ebene seiner Menschlichkeit, sobald der Täter dort eintrifft.“
Der interessante Punkt dieser Aussage ist, dass es die Vergebung ist, die Reue, Dankbarkeit und Versöhnung auslöst.
Es braucht dann einen Herzenswandel um die Vergebung sicher zu machen. Das Gleichnis des unbarmherzigen Knechtes und verschiedene Aussagen von Jesus bestätigen diesen Aspekt. Lesen wir z.B.:
Matthäus 6,15
"Wenn ihr aber den Menschen ihre Fehler nicht vergebet, so wird euch euer Vater eure Fehler auch nicht vergeben."
Wenn Gottes Vergebung nicht das gewünschte Resultat hervorbringt, wird sie wieder zurückgezogen!
Gott vergibt uns also schon vor unserer Bekehrung. Hat es dann wirklich Sinn, dass wir meinen, mit unserer Vergebung warten zu dürfen, bis die betreffende Person bereut und uns um Vergebung anfleht? Ich glaube nicht!
1. Petrus 2,18-25
"Die Hausknechte seien mit aller Furcht den Herren untertan, nicht nur den guten und milden, sondern auch den wunderlichen! [1Petr 2,19] Denn das ist Gnade, wenn jemand aus Gewissenhaftigkeit gegen Gott Kränkungen erträgt, indem er Unrecht leidet. [1Petr 2,20] Denn was ist das für ein Ruhm, wenn ihr Streiche erduldet, weil ihr gefehlt habt? Wenn ihr aber für Gutestun leidet und es erduldet, das ist Gnade bei Gott. [1Petr 2,21] Denn dazu seid ihr berufen, weil auch Christus für euch gelitten und euch ein Vorbild hinterlassen hat, dass ihr seinen Fußstapfen nachfolget. [1Petr 2,22] «Er hat keine Sünde getan, es ist auch kein Betrug in seinem Munde erfunden worden»; [1Petr 2,23] er schalt nicht, da er gescholten ward, er drohte nicht, da er litt, sondern übergab es dem, der gerecht richtet; [1Petr 2,24] er hat unsere Sünden selbst hinaufgetragen an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, der Sünde gestorben, der Gerechtigkeit leben möchten; «durch seine Wunden seid ihr heil geworden.» [1Petr 2,25] Denn ihr waret «wie irrende Schafe», nun aber seid ihr bekehrt [zuerst kam Heilung!] zu dem Hirten und Hüter eurer Seelen."
Wir sehen hier wahre Demut und geistliche Größe und Vollkommenheit. Wir sind nicht dazu berufen, zurückzuschlagen, sondern sofort zu vergeben und so dem Beispiel Jesu zu folgen:
Lukas 23,33-37
"Und als sie an den Ort kamen, den man Schädelstätte nennt, kreuzigten sie daselbst ihn und die Übeltäter, den einen zur Rechten, den andern zur Linken. [Lk 23,34] Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun! Sie teilten aber seine Kleider und warfen das Los. [Lk 23,35] Und das Volk stand da und sah zu. Es spotteten aber auch die Obersten und sprachen: Andere hat er gerettet; er rette nun sich selbst, wenn er Christus ist, der Auserwählte Gottes! [Lk 23,36] Es verspotteten ihn aber auch die Kriegsknechte, indem sie herzutraten, ihm Essig brachten [Lk 23,37] und sprachen: Bist du der König der Juden, so rette dich selbst!"
Jesus bat Seinen Vater, seine eigenen Mörder zu vergeben! Er hatte ihnen sogar vor ihrer Tat schon vergeben!
Aber erwartet Gott dasselbe auch von uns? Wieso nicht? Lebt nicht Jesus in uns und ist Er nicht derselbe gestern, morgen und in Ewigkeit?
In Apostelgeschichte 7 lesen wir von dem Zeugnis, das Stephanus vor dem Hohen Rat ablegte. Es kostete ihm den Tod. Was war seine Einstellung seinen Mördern gegenüber? :
Apostelgeschichte 7,57-60
"Sie aber schrieen mit lauter Stimme, hielten sich die Ohren zu, stürmten einmütig auf ihn los, stießen ihn zur Stadt hinaus und steinigten ihn. [Apg 7,58] Und die Zeugen legten ihre Kleider zu den Füßen eines Jünglings nieder, welcher Saulus hieß. [Apg 7,59] Und sie steinigten den Stephanus, welcher ausrief und sprach: Herr Jesus, nimm meinen Geist auf! [Apg 7,60] Er kniete aber nieder und rief mit lauter Stimme: Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht zu! Und nachdem er das gesagt hatte, entschlief er."
Können wir wirklich mit unserer Vergebung warten, bis wir darum gebeten werden? Jesus und Stephanus sagen nein!
Fassen wir kurz zusammen:
• Vergebung geht gegen die menschliche Natur, sie ist keine Gefühlssache und kommt nicht automatisch. Es braucht eine bewusste Entscheidung.
• Ich vergebe meinem Nächsten, weil Gott mir vergeben hat, koste es was es wolle, auch mein Leben.
• Ich vergebe meinem Nächsten auch wenn er nicht darin interessiert ist.
Bleibt die Frage: wie? Wie kann ich dem Nächsten vergeben, wie kann ich die Kosten bezahlen?
Zitat von „jesus.de“:
„Über Vergebung gibt es ein paar falsche Vorstellungen. Gerade, wenn es um den seelsorgerlichen Aspekt geht, hat Vergebung nichts damit zu tun, dass man demjenigen, der einem etwas angetan hat, Recht gibt. Niemand hat das Recht, einen anderen Menschen zu verletzen oder ihm gar schwerwiegenden Schaden zuzufügen. Vergebung führt vielmehr dazu, den Kreis schlechter Gedanken, die einem selber schaden, zu verlassen."
Vergebung bewirkt nicht, dass man negative Erinnerungen vergisst. Sie bewirkt, dass man sie emotional neu bewertet und dadurch nicht mehr unter ihnen leidet.“
Vergebung ist also keine reine Gefühlssache. Wenn mich jemand steinigt, habe ich keinen großen Drang, diesen Mitmenschen zu umarmen, sei es denn um ihn zu erwürgen
Wenn wir unseren Gefühlen freien Lauf lassen, dann besteht die reale Gefahr zu sündigen:
Epheser 4,26
"Zürnet ihr, so sündiget nicht; die Sonne gehe nicht unter über eurem Zorn!"
Die negativen Gefühle müssen kontrolliert und bearbeitet werden:
2. Korinther 10,3-5
"Denn ob wir schon im Fleische wandeln, so streiten wir doch nicht nach Art des Fleisches; [2Kor 10,4] denn die Waffen unsrer Ritterschaft sind nicht fleischlich, sondern mächtig durch Gott zur Zerstörung von Festungen, so dass wir Vernunftschlüsse zerstören [2Kor 10,5] und jede Höhe, die sich wider die Erkenntnis Gottes erhebt, und jeden Gedanken gefangen nehmen zum Gehorsam gegen Christus."
Die Motivation zur Vergebung kommt nicht von unseren Gefühlen, es ist der Geist Gottes in uns, der uns zur Vergebung leitet und uns die Kraft gibt, den Preis zu bezahlen. Wir müssen lernen, unsere Gefühle zu beherrschen und nicht umgekehrt.
Eine Schuld zu erlassen kostet oft große Überwindung und Demut! Manchmal braucht es auch viel Zeit, um uns durch eine besondere Situation hindurchzuarbeiten.
Manchmal ist unser Schuldner schon tot oder sonst nicht bereit, sich zu versöhnen. Er hilft uns dann also nicht mit unseren Gefühlen (es ist viel einfacher jemandem zu vergeben, der uns auch darum bittet – unsere Gefühle erleichtern dann unsere Arbeit). Wir müssen lernen, unsere Gefühle zu steuern und zu regieren (durch die Kraft des Heiligen Geistes).
Dottessa Belotti (christliche Psychologin): „Der Kopf muss den Bauch regieren, nicht der Bauch den Kopf!“
Manchmal müssen wir zuerst uns selber vergeben, bevor wir unserem Nächsten vergeben können! Wir dürfen nicht härter als Gott gegen uns selber vorgehen, sonst können wir auch unserem Nächsten nicht vergeben.
Hat uns jemand verletzt, geschädigt, misshandelt oder angegriffen?
Lass uns zuallererst unsere Gefühle unter Kontrolle bringen („die Sonne nicht über unserem Zorn untergehen lassen“).
Wir haben dann zwar das Recht entschädigt zu werden, verzichten jedoch absichtlich darauf. Wir erlassen die Schuld und verzichten auf unsere Rechte (Rechtstellung, Entschädigung) und legen alles in Gottes Hände.
Ist dieser Preis wirklich zu hoch angesetzt? Vergleichen wir ihn doch mit dem Preis, den Gott bezahlt hat!
Epheser 4,32
"Seid aber gegeneinander freundlich, barmherzig, vergebet einander, gleichwie auch Gott in Christus euch vergeben hat.
Vergeben bedeutet auch ein Risiko einzugehen. Wir können wieder verletzt werden. Aber Gott ist dieses Risiko eingegangen."
Und wir?
Wie schon gesagt, negative Gefühle (Wut, Traurigkeit, Depression) finden ihre Wurzeln oft in der Vergangenheit, manchmal schon in unserer Kindheit. Sie können uns zerstören. Sie müssen verarbeitet werden. Vergebung muss geschehen.
Die Antwort ist LIEBE. Gott ist Liebe und Er lebt seine Liebe auch in uns.
Gottes Liebe wird sichtbar in seiner wunderbaren Vergebung. Unsere Liebe (Gott in uns) wird sichtbar durch unsere Vergebung.
Vergeben ist schmerzhaft. Gottes Liebe treibt uns jedoch dazu und gibt uns auch die nötige Motivation:
Lukas 7,41-48
"Ein Gläubiger hatte zwei Schuldner. Der eine war fünfhundert Denare schuldig, der andere fünfzig. [Lk 7,42] Da sie aber nichts hatten zu bezahlen, schenkte er es beiden. Welcher von ihnen wird ihn nun am meisten lieben? [Lk 7,43] Simon antwortete und sprach: Ich vermute der, dem er am meisten geschenkt hat. Er sprach zu ihm: Du hast richtig geurteilt! [Lk 7,44] Und indem er sich zu der Frau wandte, sprach er zu Simon: Siehst du diese Frau? Ich bin in dein Haus gekommen, du hast mir kein Wasser für die Füße gegeben; sie aber hat meine Füße mit Tränen benetzt und mit den Haaren ihres Hauptes getrocknet. [Lk 7,45] Du hast mir keinen Kuß gegeben; sie aber hat, seit sie hereingekommen ist, nicht aufgehört, meine Füße zu küssen. [Lk 7,46] Du hast mein Haupt nicht mit Öl gesalbt, sie aber hat meine Füße mit Salbe gesalbt. [Lk 7,47] Darum, sage ich dir, ihre vielen Sünden sind vergeben worden, denn sie hat viel Liebe erwiesen; wem aber wenig vergeben wird, der liebt wenig. [Lk 7,48] Und er sprach zu ihr: Dir sind deine Sünden vergeben!"
Sind wir der Riesenschuld bewusst, die Gott uns gegenüber erlassen hat (in anderen Worten, haben wir erkannt, wie gross seine Liebe ist)? Es handelt sich um die Kraft die uns dann antreiben wird, selber zu lieben, zu vergeben, Schulden zu erlassen.
Wenn wir unserer Schuld Gott gegenüber nicht richtig bewusst sind, wird es viel schwieriger, selber vergeben zu können.
Vergebung macht uns Gott ähnlicher, geistlich vollkommen!
Vergebung befreit uns. Freude kommt in unser Leben. Es geht uns geistlich und psychologisch viel besser und unsere Gebete sind nicht mehr wegen unseren negativen Gefühlen beeinträchtigt.
Geistlicher Reifetest:
• Wie reagiere ich auf Verletzungen? Werde ich nervös, bitter, zornig? Schlage ich zurück und suche ich Rache? Bin ich voll Ärger wie die Unbekehrten? Oder reagiere ich wie Jesus Christus, der sich nicht provozieren ließ und seine Feinde liebte und ihnen ihre Sünden vergab?
• Akzeptiere ich Verletzungen/Schmerzen und Opfer um andere zu befreien? Wem muss ich etwas vergeben? Welche Schuld muss ich erlassen? (konkret werden!)
• Nehmen wir zur Kenntnis, dass auch wir immer wieder andere verletzen. Wir sind noch nicht sündenlos. Seien wir realistisch!
Vergebung hat seine Kosten (es gibt keine Rückzahlung). Schulden müssen abgeschrieben werden. Wir müssen bereit sein, diesen Preis zu bezahlen. Es geht um unser geistliches Leben und auch um unser physisches Wohlbefinden.
Gott erwartet von uns, dass wir die Leiden Jesu Christi teilen:
Römer 8,17
"Sind wir aber Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi; wenn anders wir mit ihm leiden, auf dass wir auch mit ihm verherrlicht werden."
Was waren die Leiden von Jesus Christus: Demütigung und Tod (retten anstatt richten und bestrafen)!
Auch wir sind zur Opferbereitschaft berufen:
Römer 12,1-2
"Ich ermahne euch nun, ihr Brüder, kraft der Barmherzigkeit Gottes, dass ihr eure Leiber darbringet als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer: das sei euer vernünftiger Gottesdienst! [Röm 12,2] Und passet euch nicht diesem Weltlauf an, sondern verändert euer Wesen durch die Erneuerung eures Sinnes, um prüfen zu können, was der Wille Gottes sei, der gute und wohlgefällige und vollkommene."
Ändern wir unseren Lebensstil: vergeben wir unsern Schuldner (retten anstatt richten und bestrafen). Auch wenn es Mühe kostet, wenn Gott nicht sofort Gerechtigkeit schafft, wenn wir weiter misshandelt werden. „Vergebung ist ein Lebensstil“:
Philipper 2,5-8
"Denn ihr sollt so gesinnt sein, wie Jesus Christus auch war, [Phil 2,6] welcher, da er sich in Gottes Gestalt befand, es nicht wie einen Raub festhielt, Gott gleich zu sein; [Phil 2,7] sondern sich selbst entäußerte, die Gestalt eines Knechtes annahm und den Menschen ähnlich wurde, [Phil 2,8] und in seiner äußern Erscheinung wie ein Mensch erfunden, sich selbst erniedrigte und gehorsam wurde bis zum Tod, ja bis zum Kreuzestod."
Fehlt uns die „Kraft“ zu vergeben? Haben wir Angst, eine Schuld zu erlassen? Wird es zu sehr schmerzen? Finden wir, dass der
Preis zu hoch angesetzt ist?
Bitten wir Gott um den Mut und die Kraft, den Preis der Vergebung bezahlen zu können. Jesus war Gott, aber er war auch ganz Mensch und auch Er brauchte denselben Mut, um den Preis der Versöhnung bezahlen zu können/wollen:
Markus 14,32-36
"[Mk 14,32] Und sie kommen in ein Gut, genannt Gethsemane. Und er spricht zu seinen Jüngern: Bleibet hier sitzen, bis ich gebetet habe! [Mk 14,33] Und er nahm den Petrus und Jakobus und Johannes mit sich und fing an zu erschrecken, und ihm graute sehr. [Mk 14,34] Und er sprach zu ihnen: Meine Seele ist zu Tode betrübt; bleibet hier und wachet! [Mk 14,35] Und er ging ein wenig vorwärts, warf sich auf die Erde und betete, dass, wenn es möglich wäre, die Stunde an ihm vorüberginge. [Mk 14,36] Und er sprach: Abba, Vater! Es ist dir alles möglich; nimm diesen Kelch von mir! [der Preis schien zu hoch] Doch nicht, was ich will, sondern was du willst."
Jesus hatte Todesängste. Er hätte den Preis lieber nicht bezahlt. Die Kosten schienen auf einmal zu hoch. Aber er tat es trotzdem und öffnete uns somit den Weg zum Leben!
Bitten auch wir Gott um Liebe, Mut und Kraft zum Vergeben!
Den Preis, den wir bezahlen ist absolut nicht vergleichbar mit der Herrlichkeit die auf uns wartet:
2. Korinther 4,16-18
"[2Kor 4,16] Darum werden wir nicht entmutigt; sondern wenn auch unser äußerer Mensch zugrunde geht, so wird doch der innere Tag für Tag erneuert. [2Kor 4,17] Denn unsere Trübsal, die zeitlich und leicht ist, verschafft uns eine ewige und über alle Maßen gewichtige Herrlichkeit, [2Kor 4,18] uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare; denn was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig."
Noch ein letzter Punkt: Vergeben ist nicht gleich vergessen. Wenn wir vergeben haben, sehen wir die Situation einfach in einem ganz anderen Licht. Unsere Gefühle haben sich verändert. Wir sind nicht mehr belastet. Es tut uns leid für unsere Schuldner. Ein vollständiger Gesinnungswandel. Ein wunderbares Gefühl!
Und um Rückfälle zu vermeiden, folgen wir folgendem Beispiel von Paulus:
Philipper 3,13-16
"Brüder, ich halte mich selbst nicht dafür, dass ich es ergriffen habe; [Phil 3,14] eins aber tue ich: Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was vor mir ist, und jage nach dem Ziel, dem Kampfpreis der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus. [Phil 3,15] So viele nun vollkommen sind, wollen wir also gesinnt sein; und wenn ihr über etwas anders denket, so wird euch Gott auch das offenbaren. [Phil 3,16] Nur lasst uns, wozu wir auch gelangt sein mögen, nach derselben Richtschnur wandeln und dasselbe erstreben."
Konzentrieren wir uns nicht mehr auf die Vergangenheit, sondern orientieren wir mit unserem ganzen Wesen auf das wunderbare Ziel!
Vergeben wir unseren Mitmenschen, so wie Gott uns vergeben hat.
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