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Eine Nachlese für die Weltmission von einer Bewegung, die abgeirrt war und nun auf den richtigen Weg

von Mission Frontiers Bulletin

Nachlese für die Weltmission von einer Bewegung, die abgeirrt war und nun auf den richtigen Weg zurückkehrte

Wie reagiert die Gemeinschaft der amerikanischen Evangelikalen, wenn eine ihrer üblicherweise im Buch The Kingdom of the Cults [Das Reich der Sekten] eingetragenen Gruppierungen ihre abweichenden doktrinären Eigentümlichkeiten widerlegt und ihren Missbrauch gegenüber den Mitgliedern ihrer eigenen Gemeinschaft bereut? Oder, wie reagieren die Prediger dieser Bewegung, wenn ihnen die unangenehme Realität eröffnet wird, dass sie nicht mehr das Monopol für biblische Wahrheit und die alleinigen Schlüssel für das Reich Gottes haben? Und wie führen die Leiter dieser Bewegung ihre Leute aus ihrer Exklusivität und ihrer selbst zugegebenen Häresie hin zur Orthodoxie, ohne ihre Knie vor der heutigen evangelikalen Bewegung zu beugen (und solche Ehre für den Einen zu reservieren, der allein solches Lob verdient)?

Dies sind einige der fundamentalen Interessensphären, deren Ursache im Umbruch in der WKG begründet liegen. Ohne Zweifel sind die Änderungen bemerkenswert. Viele kannten die Beständigkeit der WKG nur aus der Tatsache, dass man sie garantiert in Walter Martins Wälzer über Sekten fand. Nun, sie hat mutig versucht, Häresie und Gesetzlichkeit abzulegen. Das kostete sie die Hälfte ihrer Glaubensgemeinschaft von 150.000 Mitgliedern, während sie noch dazu die Geburt von über 100 Splittergruppen erleben musste.

Aber die relativ geringe Größe ihrer Mitgliederschaft – sogar in ihrer Glanzzeit – spiegelte nicht wirklich ihre globale Wirkung wider. Ihre Zeitschrift, The Plain Truth (Klar & Wahr) wurde weit und breit über den ganzen Planeten kostenlos verteilt und zeigte eine Evangeliumsbotschaft, die überschattet war von fixen prophetischen Ideen, Fehlanwendungen des mosaischen Gesetzes und „exklusiven" Schlüsseln für das Reich Gottes, wie die obligatorische Beobachtung des Sabbats und der jüdischen heiligen Tage. Nach Dr. Joseph Tkach, Jr., dem Direktor der WKG seit 1995, erkannten sie „einige" andere Christen außerhalb ihrer Kirche an, aber die WKG war natürlich die „Hauptsache".

Um fair zu sein, es verdient erwähnt zu werden, dass die nicht sehr zahlreichen Mitglieder dieser globalen Bewegung in vielen Bereichen sehr diszipliniert, sogar vorbildlich waren. Der Zehnte wurde pflichtbewusst gegeben: ein fester Satz von 10 Prozent ging an die Kirche, 10 Prozent sparte jede Familie für ihre Teilnahme an der jährlichen Feier des Laubhüttenfestes, und zusätzliche 10 Prozent wurden jedes dritte Jahr zu Gunsten jener Gemeindemitglieder beiseite gelegt, die verwitwet, verwaist oder sonst bedürftig waren. Ihr Jahresbudget erreichte den Höchststand von etwa 200 Millionen US$ - vor dem Zeitpunkt der Gegenreaktion auf die größeren Änderungen, die zu internem Umbruch und abnehmenden finanziellen Einnahmen führten. Heute schätzen sie ihre jährlichen Einnahmen auf etwa 35 Millionen US$. Aber Tkach betont, dass Zahlen und Mitglied¬schaft nicht annähernd das ganze Bild wiedergeben, denn sie lassen die Art von Leiden außer acht, die entstanden, als Familien sich trennten, Ehen in Scheidung endeten und enttäuschte Mitglieder der Gemeinschaft den Rücken kehrten. „Es ist schwierig, Kummer zu quantifizieren," sagt er.

Entstanden durch Medien
Um die WKG überhaupt zu verstehen, muss man wissen, dass sie aus der Medienarbeit geboren wurde und wuchs. Mit seinem mehr oder weniger nominalen Quäkerhintergrund bekehrte sich Herbert W. Armstrong Ende der 20er Jahre in Eugene, Oregon, durch die Kirche Gottes des Siebten Tags (Oregon-Konferenz), die ihn später auch ordinierte. Im Jahre 1934 begann er nach seiner Ordination ein wöchentliches Radioprogramm, „The World Tomorrow" (Die Welt von Morgen), und kurz darauf die Herausgabe der Zeitschrift, „The Plain Truth“. Beide Werkzeuge verkündeten eine Botschaft, die Prophezeiungen betonte, wobei er die „verlorenen Stämme" Israels in der angelsächsischen Welt sah - im Vereinigten Königreich, in den USA, Kanada, Australien und Westeuropa. Walter Martin schrieb der WKG mehr sektiererische Fernsehsendungen zu als ihren "fünf größten Konkurrenten zusammen genommen."

Durch diese Zwillingssäulen - The Plain Truth und The World Tomorrow - gründete Armstrong die Radio Church of God (Radiokirche Gottes), die im Jahre 1968 in Worldwide Church of God (Weltweite Kirche Gottes) umbenannt wurde, als Umfang und Stärke der Bewegung enorm zugenommen hatten. Nach dem zweiten Weltkrieg zog das Hauptquartier der WKG nach Pasadena, Kalifornien, um, wo bis sich bis heute eine Gemeinde und die internationale Zentrale befinden.

Nach dem Umzug in den „Hinterhof“ einer der Medienhauptstädte der Welt wuchs die Kirche zu einer Art weltweitem (Mini-)Imperium heran. Der prächtige Campus in Pasadena war ständiger Gastgeber von zahlreichen Events der Öffentlichkeit und der Glaubensgemeinschaft - mit führenden Künstlern des Jazz und der Klassik, die im Ambassador Auditorium auftraten. Herbert Armstrong selbst, der immer stärker in seine „apostolische" Position hineinwuchs, ergänzte diese noch um die Rolle eines Botschafters und arrangierte Treffen mit Würdenträgern und ausländischen Staatsmännern. Er wurde auch zum Unterstützer des neu gegründeten israelischen Staates (Armstrong pflegte, demonstrativ im privaten Düsenjet der Kirche zu diesen politischen Treffen zu fliegen). Als die Lehre vom Anglo-Israelismus zu einem zentraleren und klareren Grundsatz der WKG wurde, gelangte er zu der Überzeugung, dass er die einzig wahre Kirche gegründet hatte.

Zeiten der Veränderung
Die Vorarbeit für einen Wechsel wurde im Jahre 1986 gelegt, als Herbert Armstrong seinen Nachfolger Joseph Tkach, Sr. ernannte. Armstrong starb noch im gleichen Jahr im patriarchalischen Alter von 93 Jahren.

Die Verwaltung unter Tkachs Führung verlor ein wenig von ihrer Starrheit, als jüngere Gesichter in Schlüsselpositionen aufstiegen, die lange von alternden, früheren Anhängern des Armstrongismus bekleidet wurden. Als der einengende Gürtel der autoritären Struktur sich zu lockern begann, wurde unter Schlüsselleitern vorsichtig eine Reihe von Gesprächen geführt. Durch ihr privates Bibelstudium kämpften diese Leiter mit der Bibelinterpretation der WKG (sowohl in größeren als auch in geringfügigen Punkten) - eine Auslegung, für deren Aufrechterhaltung sie sich einsetzen. Es wäre früher undenkbar gewesen, diese Art von Kampf zuzugeben und wäre fast der eigenen Kündigung gleichgekommen.

Diese anfänglich sensibel geführten Gespräche erhellten die Tatsache, dass nicht nur andere Personen ebenfalls private Vorbehalte hatten, sondern sie hatten sie in vielen der genau gleichen Fragen, was ein Beweis für einen „Haupt-Beweger“ über den Pastor General hinaus war. Tkach, Jr. sagte: „Wir verglichen unsere Notizen und fanden, dass wir alle in Übereinstimmung waren." Dieses Erlebnis war nichts weniger als eine Befreiung.

Aufkommende Fragen sollten von der Heiligen Schrift beantwortet werden – eine nach der anderen – angefangen mit Angelegenheiten, wie die Angemessenheit von Make-up, das Hosentragen von Frauen, das Wahlrecht für Christen - Dinge, gegen die Armstrong zuvor gepredigt hatte. Fazit von Tkach, Jr.: „Als wir begannen zu lehren, dass es in Ordnung ist, diese Dinge zu tun und dass Herbert Armstrong falsch lag, war dies eine Herausforderung, weil er der Gründer und Äquivalent zu einem der ursprünglichen zwölf Apostel war. Darauf hinzuweisen, dass er im Unrecht war, ließ die ganze Welt erzittern.“ Tatsächlich wurde ihre Welt erschüttert, aber sie wurde nicht wirklich zerstört. Eine der Ironien dieser ganzen Veränderung, ist, dass Herbert Armstrongs Eintreten für die Durchforschung der ganzen Heiligen Schrift als der endgültigen Autorität die verschiedenen „Armstrongschen" Ecksteine, auf die das Imperium gebaut wurde, aushöhlen ließ.

Jede nachfolgende Frage führte zu einer weiteren - ein Umstand, den Tkach Jr. mit „einer Reihe von Dominosteinen" umschrieb. Jedes Mal, wenn man sich mit einem befasste hatte, fiel er um und ließ mehrere andere ebenfalls umfallen, mit denen man sich einzeln befassen musste. Dieser Veränderungsmechanismus war nicht nur eine Sache von Tkach, Sr.. Vielmehr wurde er in Gang gesetzt durch diese beispiellose Gruppendiskussion von sieben oder acht Schlüsselleitern, die in der Bewegung bis zu diesem Tag verblieben sind. Über die nächsten acht Jahre sollten sie zahlreiche doktrinäre und administrative Änderungen vorzunehmen haben. Die Dauerhaftigkeit und Bedeutung dieser Änderungen wurden in einer Predigt von Joseph Tkach, Sr. im Dezember1994 bestätigt. Seine Botschaft „Die Bünde verstehen" kodifizierte, dass die schrittweise steigenden Änderungen der Vorjahre nicht übergehend, sondern permanent und bezeichnend waren für die Reise, welche die WKG weitergehen würde. In seiner Darlegung über die Bünde betonte er, dass der vorherige, der Alte Bund veraltet und die Befolgung des Sabbats bedeutungslos geworden sei. Kurz nach Beginn des folgenden Jahres erlag Tkach, Sr. einem Krebsleiden. Vor seinem Tod, im September 1995, ernannte er seinen Sohn zum Pastor General.

Die WKG und ihre Weltmission
Was, so mögen Sie fragen, war die Bedeutung der Weltmission in der WKG? Nach eigener Beurteilung der Leiter hält die WKG nicht an ihrer bisherigen Missionsarbeit als Modell fest. In seinem Buch beschreibt Tkach, dass ihre Arbeit „im Wesentlichen darin bestand, unsere amerikanische Kirchenkultur zu exportieren." Auf Anfrage erklärte er: „Zuerst suchten wir ein repräsentatives Bürogebäude in einem renommierten Finanzbezirk im Zentrum einer Stadt. So begannen wir ein Werk".

Sie waren auch „schuldig“, ausländische Werke ins Leben zu rufen, deren Überleben von der WKG in den USA abhängig war. Tkach geht weiter: „Wir pflegten, alle unserer Kirchen in anderen Ländern zu subventionieren, wir bezahlten alle ihre Rechnungen und schufen so eine Abhängigkeit von uns, die wie eine Sucht war. Statt sie jemals den Weg der wechselseitigen Abhängigkeit zu lehren, damit sie selber Kirchen gründen und wachsen lassen konnten." Vielleicht gab Demut, die ihnen die Skrupel gab, die nicht-semitischen Merkmale der Briten anzuerkennen auch dieWeisheit, zu sehen, dass das größte Geschenk für diese Missionskirchen die Aufhebung von Subventionen war. Schließlich haben sie genau das getan. Tkach sagte, dass sie ihnen „die Nabelschnüre durchschnitten und mit ihrem einheimischem Einkommen auskommen ließen".

Randal Dick, Direktor für Weltmission der WKG, stellt ihr vorheriges Auslandswerk in eine etwas andere Perspektive, wenn er sagt, dass sie nicht wirklich eine Missionsstrategie praktizierten, sondern nur auf das reagierten, was durch ihre Verbreitung von gedruckten und elektronischen Medienmaterialien geschah. Diese Auslandsbüros waren hauptsächlich Verteilungszentren ihres wachsenden Literaturbestandes. Durch diesen früheren Entwurf sollte das Evangelium in erster Linie auf der Medienebene verkündet werden, statt persönlich, durch Familien oder durch die Gemeinde.

Dick, der gegenwärtig an seinem Magistergrad an der Fuller School of World Mission arbeitet, erinnert sich daran, dass der „große Auftrag“ immer nahe am Herz der Vision der WKG war. Heute jedoch besteht ein Bedarf an Ausbildung an missiologischer Methodologie, die neu und "etwas unheimlich" ist, obwohl es für das Lernen ein offenes Klima gibt. Bob Persky, einer der Regionalpastoren der WKG in Bowling Green, Kentucky, ist zuversichtlich, dass die Einsicht zu missionieren zunimmt. Er sagt: „Wir sind durch solch eine schwere Zeit hindurchgegangen und wir haben einen solch hohen Preis bezahlt, dass wir nicht vorhaben, an dieser Stelle aufzuhören und zu sagen: ‚Soweit gehen wir und nicht weiter'." Wenngleich Dick sich bewusst ist, dass die WKG gerade mal ein „leuchtender Punkt auf dem Computerbildschirm ist“, ist er überzeugt, dass ihre Veränderung etwas wie ein Laborversuch ist, voller missiologischer Lektionen.

Eine der offensichtlichsten Parallelen zwischen der Transition der WKG und ihrem Werk im Ausland ist die Behandlung von Anhängern lokaler christlicher Sekten und anderer abirrender Glaubensrichtungen in einem ausländischen Kontext. Dr. Ralph Winter, Generaldirektor des US- Zentrums für Weltmission, erklärt, wie Missionare selten auch nur versuchen, mit solchen Leuten zu arbeiten: „Sie werden als hoffnungslos betrachtet, sie sind Todeskandidaten. Wir ziehen es vor, mit ‚ahnungslosen Kindern' zu beginnen,“ die keinerlei Beziehung zum Christentum haben. Winter bemerkt, dass diese Bewegungen normalerweise nicht rebellisch, aber ohne ausreichende Information sind. „Was sie wissen müssen, ist mehr von der Bibel." Dies ist eindeutig der Fall bei der WKG. Persönlich, in der Öffentlichkeit und in seinem Buch beklagt Tkach mangelnde Bibelkenntnis, die Herbert W. Armstrong zu abweichender Interpretation der Heiligen Schrift verleitete und sich in „eine gigantische Verschwörungstheorie" auswuchs. Aber die ständige, lang anhaltende Prüfung an Hand der Heiligen Schrift war es, die diese groben hermeneutischen Fehler enthüllte. Allmählich zeichnete sich ab, was der Direktor des Christian Research Institute, Hank Hanegraaff, den „Pfahl der Orthodoxie” nannte.
Die WKG ist selbst in dieser Veränderung nicht ohne ihre Kritiker gewesen. In der Tat ist sie von praktisch jeder Seite kritisiert worden - von Kritikern innerhalb und außerhalb, die behaupteten, dass die Änderung zu langsam oder zu schnell ging oder zu schlecht angegangen wurde. Die meisten Sektenbeobachtungsstellen bezweifelten die Authentizität der Bewegung an sich. Viele sind immer noch unzufrieden mit dem „Endprodukt". Diese Kritik kam zum zentralen, internen Widerstand gegen jede Änderung noch hinzu und wurde „liberal“ genannt. Alles in allem fanden die Leiter der WKG die Sektenbeobachtungsstellen eher feindlich als dienend, da sie die Reise noch viel schwieriger machten, als sie schon war. Tkach führt dieses teilweise auf ihren Bedarf zurück, „Sensationsmeldungen zu machen und unsere Glaubwürdigkeit zu unterhöhlen und dazu auf Situationen hinzuweisen, die man in gewisser Weise als beleidigend analysieren könnte."

Welche widerstreitenden Meinungen man auch immer über das Tempo und die Substanz der Änderung hörte, sie geschah nicht über Nacht. Es war keine unmittelbare“ „Umwandlung" von Heterodoxie in Orthodoxie. Stattdessen geschah sie als schrittweise Änderung, die sich nach und nach steigerte, wobei einige Schritte größer als andere waren (wie das Überarbeiten ihrer Doktrinen über die Trinität und die menschliche Natur, die von dem evangelischen Charles Finney kamen). Tkach beschreibt, wie sie versuchten, die Änderung zu erleichtern, in dem Versuch, Brücken von ihren vorigen Doktrinen zu ihrer gegenwärtigen, orthodoxeren Doktrin zu bauen. Um das zu tun, versuchten sie bewusst das hervorzuheben, was von Armstrongs früheren Lehren richtig war, die "Kernwahrheit", die man durch den Übergang hindurch tragen konnte. Er benutzt dazu eine Karika¬tur des populäreren, aber weniger wirksamen Ansatzes, der etwa so lautet: „Mit einem Beil herein¬kommen und alles einfach kaputt hacken und sagen: Dies ist die Art, wie es sein muss, und zwar jetzt! ... Ich denke, dass wir besser dran sind, Brücken zu bauen, um es Menschen leichter zu machen, hinüber¬gehen und Christus näher zu kommen, statt sie ins Wasser zu werfen – Leute, die nicht schwimmen können – und ihnen zu helfen, hinüber zu schwimmen."

Während die Veränderung zeitweise bewusst und zu anderen Zeiten ein Kampf ums Überleben war, geschah die Verwandlung der Bewegung mit den Worten von Tkach, „im Kontext unserer offensichtlich sektiererischen Umgebung." Wäre das nicht der Fall gewesen, glaubt er, dass sie einen viel schwerwiegenderen Verlust erlitten hätten und vielleicht aufgehört hätten, weiter zu bestehen. Stattdessen pflegen jetzt viele, die die WKG verlassen haben, Gemeinschaft mit konventionellen Gruppen, obwohl sie die Änderung inständig befürworten.

Mit der Bewegung der WKG hin zur Welt der Evangelikalen äußert Dr. Winter Bedenken, da unsere evangelische Bewegung „von Schwächen und Unvollkommenheiten durchdrungen ist." Während wir darauf achteten, mit dem Finger auf ihre früheren Sünden zu zeigen, mögen wir uns doch nicht völlig im Recht befinden.

Was an der WKG in der Vergangenheit bedeutsam und in einer Weise lobenswert war, war die Demonstration von Autorität in vertikaler wie auch in horizontaler Weise – vertikal zu Christus und horizontal Unterwürfigkeit gegenüber der Kirche und der pastoralen Führung. Winter beobachtet, dass heute im Großen und Ganzen die evangelische Bewegung „nur eine Autorität anerkennt – die, die wir Jesus Christus nennen - nicht unseren Pfarrer, nicht unsere Freunde, nicht unsere Familie." Dies hat zu einem großen Aufblühen einer großen Anzahl von Theorien göttlicher Führung beige¬tragen, während die Führung durch biblische Leiterschaft für weniger göttlich angesehen wird. Winter behauptet, dass der Grad, in welchem Gehorsam heute von der Kanzel gepredigt wird, oft hohl und leer klingt, weil mangels irgendwelcher autoritärer Strukturen keinerlei Zurechtweisung zu befürchten ist. Die Kirche scheut sich, sich in die Heiligkeit von jemandes „persönlichem Leben" einzumischen, während gleichzeitig die Sünde blüht und weder angesprochen noch korrigiert wird. „Unsere einzige Autorität ist vertikal und, da das sehr verschwommen ist, interpretieren wir Gott auf die Art und Weise, die uns gefällt, sowohl bewusst als auch unbewusst .... Dies ist eine wirk¬liche Ketzerei,“ weil, wie Winter sagt, „Gott seinen Willen durch Eltern, Freunde und Beziehungen in der Kirche ausdrücken möchte".

Tkach hält diese Autoritätsangelegenheit für besonders sensitiv. Während ihre frühere Leiterschaft stark und respektiert war, war sie auch von Missbrauch gekennzeichnet – ein Missbrauch, den sie bereut haben. Doch Winters Punkt bezüglich der Evangelikalen Bewegung kann teilweise aus der Tatsache erklärt werden, dass es in den USA war - und nicht in den Auslandsbüros der WKG -, wo Tkach die Früchte von einem Syndrom beobachtet hat, das er das „John Wayne Syndrom" nennt – ein Individualismus, der frei ist von biblischen Richtlinien für Kirche, Familie und Gemeinschaft. Nach institutioneller Reue entwickelten in den USA einige ihrer Leute einen nachweislichen Widerstand, sich irgendetwas Unangenehmes sagen zu lassen. Die gewöhnliche Antwort war: „Sie missbrauchen mich." Aufgrund der Empfindlichkeit in der Vergangenheit irren sie jetzt auf der Seite der Gnade. Randal Dick glaubt, dass es innerhalb der WKG immer noch eine starke Achtung vor biblischer Autorität - eine einzigartige, schöne Achtung - gibt, die, wie er hofft, erhalten bleiben wird. Winter, der tief betroffen ist über den Zustand der evangelikalen Kirchen, dämpft die Begeisterung mit einer Ermahnung an die WKG: „Ich hoffe, dass Sie gekommen sind, uns zu stärken und sich nicht einfach vor dem Standbild zu verbeugen".

Viele, die die frühere Führung der WKG analysiert haben, kamen zu dem Schluss, dass sie legalistisch war – extrem in ihrer Anwendung des alttestamentlichen Gesetzes.
Nachdem sie aber die Seiten gewechselt haben, trafen sie Evangelikale, denen man sehr gut Mängel in einem anderen Extrem nachsagen könnte, nämlich dass sie riskieren, alttestamentliches Material, das reich an Anweisungen über ein Gott gefälliges Leben ist, vollständig abzuwerten. Theologe Walter Kaiser, Jr., Präsident des Gordon Conwell Theological-Priesterseminars, fasst seine Besorgnis wie folgt treffend zusammen:

"Die gegenwärtige evangelikale Generation wurde fast frei von jeder Lehre über Stellung und Anwendung des Gesetzes im Leben eines Glaubenden erzogen. Dies hat zu einer total (oder vielleicht halb-) gesetzlosen Lebenseinstellung geführt. Ist es dann ein Wunder, dass die ungläubige Gesellschaft um uns herum so gesetzlos ist, wenn diejenigen, die Licht und Salz gegenüber dieser Gesellschaft hätten sein sollen, selbst nicht immer sicher sind, was es genau ist, das sie tun sollten."

Von globalem Interesse
Die bisher beachteten Angelegenheiten illustrieren einen gemeinsamen Kampf auf einem Missions¬feld. Ein äußerst häufiges Auftreten von ungewöhnlichen Interpretationen der Heiligen Schrift, die manchmal harmlos, manchmal erleuchtend und zu anderen Zeiten ketzerisch sind, sind am Sprie¬ßen. Winter hat zwei allgemeine Arten des „Erfolgs" auf einem Missionsfeld miterlebt. Die erste wird von einer Gemeinschaft von Gläubigen beispielhaft dargestellt, in der jeder genau das glaubt, was ihm zu glauben beigebracht wurde. Die zweite Art des „Erfolgs" ist, wenn der Missio¬nar, „die Kontrolle über die Leute verliert und diese die Bibel nehmen und damit loslaufen." Um sicher zu sein, dass er weiter macht, enden die Leute mit einigen ketzerischen Ideen, obwohl sie mit Integrität des Herzens lieber der Bibel, „als einer Formel folgen, die aus einem fremden Land importiert wurde".

Wenn das der Fall ist und viele Kirchen auf dem Missionsfeld ketzerisch beginnen, was soll dann unsere Antwort auf solche Kirchen sein? Sollten wir uns von ihnen sofort trennen? Oder sollten wir sie lieber umarmen, ihr Herz und ihren Hunger nach der Heiligen Schrift loben und anerkennen, dass Gott sowohl durch sein Wort und, wofür die WKG ein Beispiel ist, auch in der Bewegung wirkt? Dr. Winter behauptet, dass wir weniger darum besorgt sein müssen, endgültig festzulegen, ob jemand in den Himmel kommt oder nicht (trifft nicht jemand anders diese Entscheidung?) als darauf, ob die Leute Gott treu von Herzen suchen und der Heiligen Schrift, die sie schon kennen, glauben und gehorchen. „In jedem Fall können sich Menschen über bestimmte Details sehr im unklaren sein und dennoch gerettet werden." George Alexander, Professor an der Biola’s School of Intercultural Studies, sprach diesen Punkt an, während er die Natur des großen Auftrags abklärte anlässlich einer kürzlichen Besprechung der Evangelical Missiological Society (evangelische Gesellschaft für Mission). „Jesus Christus,“ sagte er, „sagt uns, dass wir uns und andere nicht in Glaubensbekenntnissen ausbilden sollen sondern in der Lebensführung; nicht in Dingen, die man glauben, sondern in Dingen, die man tun muss – ’und lehrt sie alles halten, was ich euch befohlen habe‘ (Mt 28,20)."

Während das nicht das letzte Wort in dieser Angelegenheit ist, ist es doch eine abschließende, kurze Notiz wert, dass keine von jenen, die von der WKG interviewt wurden, meinten, dass ihr Glauben an Christus vor diesen Änderungen nicht auf einer Wiedergeburt basierte. Sie halten auch weiter fest an der große Hingabe der Mitglieder aus der alten WKG mit großer Wertschätzung, während sie dafür dankbar sind, dass die theologischen Schuppen von ihren Augen gefallen sind. Tkach schreibt von einem klaren, auf Erfahrung beruhenden Werk Gottes in seinem Leben durch Taufe vor fast 20 Jahren vor dem Kern dieser Veränderung. Doch in Bezug auf die Natur ihrer persönlichen Erfahrung macht Randal Dick klar, dass ihre qualitative Beziehung zu Christus so unterschiedlich ist wie „Nacht und Tag".

In dem Bewusstsein der Komplexität des Umgangs mit Missionskirchen, die keinem orthodoxen Glaubensbekenntnis zugestimmt haben und doch offenkundig lebendig sind, bietet Dr. Winter spitzen Trost an: „Wenn man missioniert, setzt man nichts aufs Spiel. Man riskiert überhaupt nichts; der Heilige Geist tut es ". Vielleicht ist das genau das, was Er beabsichtigte.


Dieser Artikel mit dem englischen Titel Global Lessons from the Worldwide Church of God erschien in der Mai-Juni 1998 Ausgabe von Mission Frontiers Bulletin, herausgegeben vom U.S. Center for World Missions, 1605 Elizabeth St., Pasadena, CA 91104.

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