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Wird Christus zurückkehren?

Die Prophezeiungen der Alten und Neuen Testaments versichern uns, dass Christus am Ende der Zeiten in Macht und Herrlichkeit auf diese Erde zurückkehren wird.

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Krieg und Frieden

WKG-Predigt, Mai 2003

Ich beginne mein Thema in einem Fernsehstudio eines Nachrichtensenders. Die Journalistin versucht nun schon zum dritten Mal die Frage so zu formulieren, daß sie der Literaturnobelpreisträger Günter Grass verstehen kann. Ihre Versuche bleiben anscheinend vergeblich, es bleibt dabei was der Schriftsteller der Journalistin schon nach der zweiten Frage geantwortet hat: „Ich verstehe Sie nicht wirklich.“

Wie hatte die Frage gelautet? „Halten Sie es für möglich, daß irgendwann einmal, vielleicht in ein paar Jahren das irakische Volk über den Krieg mit den Amerikanern ebenso zu denken gelernt haben könnte wie das deutsche Volk nach dem Zweiten Weltkrieg?“

Günter Grass hatte erzählt wie er nur nach und nach seit der Zeit der Besatzung im Nachkriegsdeutschland das Umdenken gelernt hatte. Er war ja im Nazideutschland groß geworden. Und er hatte dann die Amerikaner doch noch als Befreier betrachten können, was unmittelbar unter dem Eindruck des schrecklichen Krieges nicht möglich gewesen war. Schließlich: auch die Amerikaner hatten deutsche Städte bombardiert und damals benutzte man keine zielgenauen Bomben!

Woher kommt das Unverständnis der sonst so klugen Menschen über die wirklichen Zusammenhänge des Lebens? Es kommt vielleicht daher, daß man ein falsches Menschen- und Weltbild hat, und vor allem daher, daß man ein falsches Gottesbild hat.

Es fragen sich ja auch viele Christen wie man aus Sicht der Bibel Krieg und Frieden im 21. Jahrhundert beurteilen kann. Wir stehen ja unter dem Eindruck des Irakkrieges. Wir wurden alle vor die Frage gestellt, ob wir dafür oder dagegen sind. Dabei kann man auch ganz andere Fragen stellen.

Eines Tages während des Irakkriegs kam meine Tochter nach Hause und berichtete aufgeregt, alle Schulklassen hätten heute einen Protestmarsch zur Kirche gemacht und gegen den Krieg protestiert. Ob das nicht „cool“ von ihnen gewesen sei. Ich stürzte sie dann zunächst etwas in Verwirrung, indem ich sie fragte, ob die Schule nicht zum Lernen da wäre, nicht um die Schüler für politische Zwecke zu benutzen. „Warum?, Bist du nicht gegen den Krieg?“ wurde ich gefragt. Ich antwortete sinngemäß: „Warum sollte ich gegen einen bestimmten Krieg sein, wenn er besser ist als ein bestimmter Frieden? Was die Menschen unter Frieden verstehen ist oft nur ein fauler Frieden und möglicherweise schlimmer als ein Krieg, der für bessere Verhältnisse sorgen würde.“

Im weltlichen Sinn bedeutet Friede im weitesten Sinne so viel wie Wohlbefinden, Ruhe, Sicherheit und steht im Gegensatz zu Streit, Unruhe und Unordnung. Wenn man sich in Israel seit dreitausend Jahren mit „Schalom“ (die arabische Entsprechung lautet „Salam“), was ja übersetzt „Frieden“ heißt, begrüßt, dann wünschte und wünscht man sich tatsächlich nicht nur die Abwesenheit von Krieg mit äußeren Feinden, sondern innere Sicherheit und Wohlstand. So lauteten ja auch die biblischen Verheißungen für die Zeit, die auf die Landnahme Palästinas durch das Volk Israel folgen sollte. Überdies wissen wir das auch aus den biblischen Beschreibungen über die Welt von Morgen. Nachdem der äußere Frieden hergestellt worden ist, wird es auch den inneren Frieden mit allen positiven Begleiterscheinungen geben.
Aber das ist noch längst nicht alles. Das wichtigste zum wahren Frieden fehlt nämlich noch. Und dieses eine, was noch fehlt, ist genau das was nur Gott vermitteln kann. So bezeugt es die Heilige Schrift.
Frieden ist aus Gottes Sicht der Zustand des Heils. Bei wirklichem Frieden ist alles heil. Bei wirklichem Heil gibt es wirklichen Frieden.

Menschen, die in Freiheit, Glück und Wohlstand leben, fällt es manchmal leicht alle anzuklagen, die auch nur von der Möglichkeit reden, einen Krieg führen zu wollen oder einen Krieg gutzuheißen. Sie gehen dann vielleicht auch auf die Straße und erklären öffentlich im Brustton der Überzeugung, daß Krieg das schrecklichste ist, was die Menschen veranstalten können und er müsse unter allen Umständen vermieden werden. Aus der Sicht der Bibel ist es jedoch so, daß Krieg zwischen Menschen bei weitem nicht das schlimmste ist. Viel schlimmer ist es im Kriegszustand mit Gott zu sein!

Krieg sei das übelste was Menschen widerfahren kann, sagen viele und man mag ihnen ungern widersprechen. Aber die Bibel ist da offenbar ganz anderer Meinung. Man denke nur an die zahlreichen Gerichtshandlungen Gottes in Form von Kriegen oder auch Naturkatastrophen, die doch, wenn man Gott glauben will, nur dazu dienen die Menschen auf den rechten Weg zu bringen. Wenn Gott die Gerechtigkeit in Person ist, dann ist es sinnlos sie in Frage zu stellen, wenn man sicher weiß, daß die Menschen voller Bosheit und Ungerechtigkeit sind.
Auch im Neuen Testament hat sich an dem Gerichtshandeln und dem Kriegführen Gottes offensichtlich nichts geändert wie man zum Beispiel im Buch der Offenbarung nachlesen kann. Da werden zuerst die versammelten Streitkräfte einer Gott feindlich eingestellten Menschheit von Christus vernichtet und später auch noch die Heere, die Satan auf die Beine gestellt hat (Of 20,8-10; 21,3-8).

Israel durfte nach der Landnahme ab dem 13.Jahrhundert vor Christus nur noch Verteidigungskriege führen. Damals hatte Gott durch verschiedenen Anordnungen dafür gesorgt, daß Israel gar keine Angriffskriege führen konnte. So durfte der König beispielsweise nur eine sehr kleine Zahl von Pferden halten, es durfte kein stehendes Heer gehalten werden usw ... Da gibt es eine Reihe von denkwürdigen Vorschriften in der Bibel zum Kriegswesen, die Völkerkundler erstaunen lassen, die aber lediglich Gottes Absichten belegen. Wenn Israel Gott gefolgt wäre, dann hätten selbst die bösen Nachbarn Frieden mit Israel geschlossen (Pre 16,7). Trotzdem muß man feststellen: das israelitische Volk war eines der friedliebendsten Völker des Altertums, das zeigt der Vergleich mit der Geschichte anderer Völker.

Die Menschen im Altertum machten keinen großen Unterschied zwischen der inneren Sicherheit und dem äußeren Frieden. Wenn der Landesfürst böse war, zog er gegen sein eigenes Volk in Krieg oder unterdrückte es. Was machte es da für einen Unterschied, von wem man ausgeraubt und geplündert wurde. Man mußte selber dafür sorgen, daß man frei und wehrhaft blieb. Sogar Abraham mußte einmal einen Kriegszug mit seinen über dreihundert Knechten unternehmen, um seinen Bruder Lot aus der Hand seiner „Kidnapper“, irgendwelche Stadtkönige, zu befreien.

Das hebräische Wort für Frieden gehört zu einer Wortfamilie mit der Bedeutung „vollständig sein, unversehrt sein, Sicherheit, Ruhe“. Vollkommene Verhältnisse, völlige Sicherheit vor allem Übel. Die bleibende Ruhe haben die Menschen nach der Lehre des Neuen Testaments nur in Jesus Christus. Nur in ihm wird das Ziel der menschlichen Bestimmung, seine Verherrlichung und Vervollkommnung erreicht.
Wenn das stimmt, dann ist es schon von daher völlig unmöglich einen „echten“ Frieden zu haben, wenn man nicht „in Jesus Christus“, das heißt in seinem Geiste ist. Ja, es haben selbst schon Atheisten darauf hingewiesen, daß es einen dauerhaften Frieden zwischen Nationen oder einen Weltfrieden nicht geben kann, wenn nicht lange vorher schon Frieden in die Herzen der Menschen eingekehrt ist. So sagte auch Pauls den Kolossern (Kol 3, 15): „Der Friede Gottes regiere in euren Herzen, zu welchem ihr auch berufen seid“.

Also muß der Frieden im Kleinen anfangen, ehe er Außenwirkung entfalten kann. Wenn nicht, ist der Glauben an einen durch Menschen zu schaffenden dauerhaften Frieden nur Illusion. Daher muß z.B. auch ein Staat für Recht und Ordnung sorgen, damit die guten Bürger vor dem Bösen geschützt werden. Das Böse muß in jedem Fall überall, wo es auftritt, beseitigt oder zumindest eingedämmt werden. Das ist rechtens vor Gott. Und diese staatlichen Ordnungen müssen auch Christen respektieren. Praktisch alle europäischen Staaten haben Jahrhunderte auf der Basis dieser Annahme, die staatliche Gewalt sei von Gott verliehen und müsse auch den göttlichen Willen widerspiegeln, ihre staatliche Ordnung geregelt. Erst spätere Generationen werden zu beurteilen haben, was die sich abzeichnende Abkehr von diesen Grundsätzen den Völkern eingebracht haben wird. In den Staaten des ehemaligen kommunistisch-atheistischen Machtbereichs hat man davon bereits einen Vorgeschmack.

Luther hat einmal das Beispiel von dem Stall gebracht, in dem man Schafe und Wölfe zusammensteckt und an die Wölfe appelliert, sie sollen die Schafe in Ruhe lassen. Das kann nicht funktionieren. Ein Staat ist wie ein Stall, in dem es Schafe und Wölfe gibt. Würde man nicht dafür sorgen, die einen vor den anderen zu schützen, würde das Böse überhand nehmen und sich auch weiter ausbreiten. Zum Schluß gibt es nur noch Wölfe. Die Nazis haben zunächst nur in Deutschland Unfrieden gestiftet, dann in der ganzen Welt. Aber leider sind auch in unserem Staat Tendenzen erkennbar, Wölfen ihr Recht auf „freie Entfaltung ihrer Freßlust“ einzuräumen. Wobei ich bei alledem nichts gegen die Tierart Wolf gesagt haben möchte.

Auch Christen müssen sich fragen, ob es sehr glaubwürdig oder überzeugend ist und ob es überhaupt etwas nützt, wenn Menschen, die sich gegenüber ihren Mitmenschen egoistisch verhalten, dazu lieblos und was sonst noch alles zu einem unchristlichen Wesen gehört, für den Weltfrieden protestieren. Da gibt es manche Wölfe im Schafspelz. Und es gibt Schafe, die plädieren dafür, daß im Nachbarstall doch ruhig die Wölfe mit den Schafen zusammensein sollen, solange es nur nicht hier im eigenen Stall so ist!

Das was die Menschen im Inneren regiert ist es nämlich, was dafür verantwortlich ist, daß es Kriege überhaupt gibt. Wirkliche Friedensstifter können nur die sein, die Frieden in ihrem Herzen tragen. Und Frieden ist ein allumfassender Begriff. Das Herz ist der Sitz dessen, was der Mensch am liebsten will. Im Tamilischen und im Spanischen gebraucht man vielleicht deshalb für „wollen“ und „liebendes Sehnen“ das gleiche Wort (tam. virumpu, sp. querer).

Frieden fängt im Herzen eines jeden Menschen an, er greift über auf die Umgebung, betrifft die zwischenmenschlichen Beziehungen, das Verhältnis zwischen Gruppen und Parteien und Vereinen, zwischen Staatsvolk und Staatsmacht, zwischen regierten und Regierenden, zwischen Völkern und Nationen. Und schließlich, um das Wichtigste zu nennen: bevor er überhaupt in die Herzen der Menschen kommt, muß der Frieden von Gott gestiftet worden sein. Frieden ohne Versöhnung mit Gott gibt es nicht.

Und deshalb kann man auch sagen, daß ein äußerer Friede zwischen Nationen zwar sehr heilsam sein kann. Es kann aber auch sein, daß er schon deshalb nicht dauerhaft sein kann, weil er nur geschlossen wurde, um ein paar Reichen zugute zu kommen, während die Mehrheit des Volkes weder Frieden mit dem Staat haben kann, noch Frieden in den Herzen, weil es unter Unterdrückung und Unfreiheit und schlechten Lebensverhältnissen zu leiden hat.

Genau das traf für das Volk des Irak zu. Ich war selber im Irak und habe gesehen unter welch bescheidenen Verhältnissen diese Menschen leben, aber das war zu einer Zeit als es diesen Menschen noch besser ging, denn dann kam der achtjährige opfervolle Krieg mit dem Iran, das die irakische Regierung aus Habgier vom Zaum gebrochen hat, dann kam gleich danach der erste Golfkrieg, den die irakische Regierung ebenfalls aus Habgier vom Zaum gebrochen hat.

Die Mehrheit des Volkes mußte bluten, insbesondere die Volkszugehörigkeiten, die nicht die Regierung stellten. Und nun stellten sich wohlhabende Menschen in der westlichen Welt hin und wollen mit ihren Protesten dafür Sorge tragen, daß die verbrecherische, ihr Volk unterdrückende, ihr Volk seit Jahrzehnten mit einem inneren Unfrieden überziehende Regierung nicht durch Waffengewalt abgesetzt wird?

Man sollte es die Iraker selbst tun lassen? Nun, die so hochgebildeten und hochorganisierten Deutschen im Dritten Reich waren offensichtlich auch nicht fähig ihre Regierung abzusetzen. Kann man den Amerikanern gar den Vorwurf machen nicht schon früher in den Krieg eingegriffen zu haben? Wäre das Naziregime bereits 1943 zur Strecke gebracht worden, als es bereits genügend Verbrechen auf seinem Schuldkonto angehäuft hatte, hätte das 5 Millionen Juden, darunter Frauen und Kinder das Leben gerettet! Ebenso Millionen deutscher Zivilisten, die in den letzten Kriegsjahren durch Vertreibung und Bombenkriege ums Leben gebracht worden sind, auch Frauen und Kinder. Auch darüber lohnt es sich vielleicht nachzudenken.

In evangelikalen Kreisen ist es unbestritten, daß Verteidigungskriege zu führen, das Recht eines jeden Staates ist. Angriffskriege werden hingegen meist abgelehnt. Dies sei mit dem Geist des Evangeliums nicht zu vereinbaren. War es falsch von den Amerikanern den Briten und Russen gegen Nazideutschland beizustehen? Muß man zuschauen, wenn irgend ein Staat sich an schwächeren Staaten vergreift, oder wenn er sich an seinem eigenen Volk schuldig macht? Man kann dann ja dagegen protestieren! Immerhin!

Kann man nicht mit den gleichen Argumenten behaupten, man dürfe sich nicht einmischen, wenn zwei Menschen einen Streit austragen, obwohl sie gerade dabei sind, sich umzubringen? Es kommt ja in unserem Land inzwischen schon vor, daß Frauen am hellichten Tage in den Städten vergewaltigt werden und Passanten gehen ungerührt vorbei. Noch sind das Einzelfälle.

Sogar das deutsche Strafrecht, das unter anderem auch christliche Wurzeln hat, kennt eine Strafnorm für unterlassene Hilfeleistung. Das mosaische Gesetz kannte etwas vergleichbares. Es ist wohl kaum mit dem christlichen Geist zu vereinbaren, gegen offensichtliches Unrecht oder Unheil im Rahmen des Machbaren nicht einzuschreiten. Wenn aber der Mensch schon diese Verpflichtung hat, warum sollte dann ein Staat, der noch viel mehr in der Lage ist Gutes zu tun und Böses zu verhindern, nicht das gleiche tun?

Ein Theologe schrieb einmal zwar richtig: „Krieg ist immer eine vorübergehende Notwendigkeit auf dem Weg zum endgültigen Frieden“ dabei darf man aber nicht übersehen, daß es nicht nur Krieg zwischen Staaten gibt.
In der Bibel ist ein gerechter Krieg immer dann gegeben, wenn er dazu beitragen soll, göttliche Ordnungen herzustellen oder Ordnungen, die jedenfalls eher geeignet sind dem göttlichen Willen nahe zu kommen, als die bestehenden. Gott will ja immer das was seinem Willen entspricht. Und seinem Volk Israel hat er das in alten Zeiten kund getan wie man in zahlreichen Stellen im Alten Testament nachlesen kann. Das Dilemma in der heutigen Zeit besteht für sich auf Gott berufende Regierungen darin, daß sie nicht erkennen können, ob Gott zu Ihnen spricht. Es bleibt ihnen dann nichts weiter übrig als anzunehmen, daß das was sie bezwecken und erreichen werden, eher dem göttlichen Willen nahe kommt, auf den sie sich berufen wollen, als wenn sie den Status Quo beibehalten. Aber meistens übersehen sie dabei, daß ein allmächtiger Gott jedenfalls auch ohne den Beistand von Kanonen und Bomben zu seinem Ziel kommen kann.

Es kann also tatsächlich niemand wissen, ob heutzutage überhaupt ein „gerechter Krieg“ geführt werden kann, mithin ein Krieg, den Gott gutheißen würde, oder zu dem er sogar den Einsatzbefehl gegeben haben könnte. Aber wir können wissen, daß der Gott, der in der Bibel spricht, ein Gott, dem es immer um Gerechtigkeit und Herstellung lebenswerter Lebensverhältnisse geht, auf der Seite derer ist, die versucht sind bei den Menschen gerechte, lebenswerte Verhältnisse herzustellen. Und deshalb muß man sehr vorsichtig sein mit Beschuldigungen derer, die sich dafür einsetzen, daß Menschen geholfen wird.

In Jer 29,11 heißt es:
„Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der HERR: Gedanken des Friedens und nicht des Leidens, daß ich euch gebe das Ende, des ihr wartet.“

Und das will er für alle Menschen, daß sie nicht leiden müssen, sondern in Frieden leben können. Menschen, die unter Diktaturen leben müssen, können nicht in Frieden leben.

Frieden ist aus Gottes Sicht etwas vollkommenes. Das was die Menschen Frieden nennen, ist nur eine mehr oder weniger ausgeprägte Form von Krieg. Irgendwo ist immer eine Front, sei es zwischen zwei Staaten, sei es zwischen zwei Menschen oder zwischen Mensch und Gott. Es wird auf Erden immerzu Krieg geführt, am wenigsten noch zwischen Staaten. Das ist eher die Ausnahme.
Ich habe noch nie Demonstrationen gesehen, bei denen man sich gegen die zunehmende Lieblosigkeit, gegen Egoismus und Habgier gewendet hat, als ob sie nicht noch viel mehr unser Zusammenleben bedrohen würden wie ein Krieg am anderen Ende der Welt. Unter der Herrschaft der Sünde kann überhaupt nichts vollkommenes gedeihen. Wo Sünde ist, ist auch immer Unfrieden. Wer unter der Herrschaft Jesu Christi steht, hat daher auch einen vollkommenen Frieden geschlossen, weil er von der Macht der unfrei machenden Sünde befreit worden ist. Paulus nannte dies das „Gesetz der Freiheit.“ Auch wenn er in der Umgebung viel Krieg vorfindet, kann ein Christ Frieden haben. Jesus hat Frieden zu einzelnen Menschen gebracht, die an ihn glauben. Er ist Frieden in Person, weil er mit dem vollkommenen Gott eins ist.

Der Friedensstand ist ein Stehen in Gott. Ansonsten befindet man sich im Kriegszustand. Man kann dann noch so laut für den Frieden demonstrieren. Für mich trägt es auch groteske Züge wie sehr sich anscheinend die Menschen in den Ländern der westlichen Welt für die nun in einem Krieg im nahen Osten zu Schaden kommenden Menschen Sorgen machen, während in ihren eigenen Ländern seit Jahrzehnten unablässig gegen hunderttausende ungeborene Kinder ein unerbittlicher Krieg geführt wird.

Friedrich Bonhoeffer warnte davor Frieden zum absoluten Ideal zu erheben. Er sagte: „Auch der Friede ist nur eine Ordnung der Erhaltung, die zerstört werden kann. Der Friede hat seine Grenze an der Wahrheit und am Recht. Dort, wo Wahrheit und Recht vergewaltigt sind, kann kein Frieden bestehen.“

Frieden gibt es jedenfalls nur mit der Gerechtigkeit. Je mehr Gerechtigkeit, desto mehr Frieden. „Die Gottlosen haben keinen Frieden“ heißt es in Jes 48,22. Nach Jer 32,17 ist Frieden das „Werk der Gerechtigkeit“.
Frieden ist auch nicht ohne Wahrheit zu haben. Frieden ist nicht ohne Nächstenliebe zu haben! Frieden ohne den Weg zum Heil nicht zu haben! Kurzum: Frieden ohne ein Leben in Christus ist nicht zu haben. Er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. so steht es geschrieben und so hat er es bezeugt. Er ist dann aber auch „unsere“ Gerechtigkeit, da wir selber ja nicht gerecht sind.

Wenn ein Staat keine Gerechtigkeit im Umgang mit anderen Staaten und im Umgang mit dem eigenen Staatsvolk kennt, stellt er eine ständige Gefahr auch für andere Staaten dar. Für ihn gilt dann, was schon der katholische Augustinus schrieb:
„Was anderes sind Reiche, wenn ihnen Gerechtigkeit fehlt, als große Räuberbanden? Sind doch auch Räuberbanden nichts anderes als kleine Reiche.“ Vielleicht hat er sich an Alexander den Großen erinnert, der einmal einen Seeräuber zur Rede stellte, warum er die Meere unsicher machte. Der antwortete mit einer Gegenfrage: „Und was fällt dir ein das Erdreich unsicher zu machen? Nur weil ich es mit einem kleinen Fahrzeug tue, heiße ich Räuber. Du tust es mit einer großen Flotte und heißt Imperator.“
Das erinnert an die These, Krieg sei Terrorismus der Staaten. In Wirklichkeit kommt es darauf an im Kleinen wie im Großen in dem Bereich, für den man Verantwortung zu übernehmen hat, für Gerechtigkeit zu sorgen, bzw. für eine vollkommenere Form des Friedens als nur der „Frieden“ für ein paar Privilegierte.

Viel Verantwortung zu übernehmen und versuchen ihr gerecht zu werden, ist viel besser als in großem Ausmaß Unrecht zuzulassen. Für Frieden können Menschen nicht sorgen. Aber sie können Gott ehren, damit sie zu Menschen des Friedens werden. Dies klingt an im Evangeliumsbericht des Lukas in dem Willkommensgruß bei Ankunft des Erlösers der Menschheit (Lk 2,14): „Verherrlichung sei Gott inmitten der Höchsten und auf Erden Frieden in den Menschen des Wohlgefallens!“
Man muß Gott ehren und in all seinem Tun zu seiner Verherrlichung, zur „Herrlichmachung“ seines Ansehens beitragen, dann zieht auch der Frieden in diesen Menschen, die das tun, was Gott wohlgefällt, ein.

Gerechter Krieg ist in der Bibel immer eine Reaktion auf in Masse auftretendes Böses. Wenn immer nur Krieg geführt wird gegen in Masse auftretendes Böses, für wen oder was bliebe dann noch zu demonstrieren?
Was sagte Jesus selber zu Frieden und Krieg?
Jesu Jünger führten zu ihrem persönlichen Schutz Schwerter (Mt 26,51-52;. Wenn Jesus seine Jünger einmal angewiesen hat, das Schwert stecken zu lassen (Lk 22,36), bezog es sich auf die irrige Meinung das Reich Gottes mit Waffengewalt herbeiführen zu müssen. Daß die Jünger überhaupt Schwerter trugen, belegt offensichtlich, daß Jesus es ihnen jedenfalls nicht verboten hatte. Schon von daher ist es fraglich, ob sich Christen auf das angebliche christliche Prinzip der Gewaltlosigkeit berufen können, wenn sie den Dienst an der Waffe ablehnen. Ebensowenig wie die Jünger damals, leben wir heute in vollkommenen Verhältnissen, die den Einsatz von Waffen überflüssig machen würde.

Zwar wird Jesus, er, der vollkommene Mensch, selber keine Waffe getragen haben. In Lk 36,22 gibt er jedoch den Jüngern die Anweisung Schwerter zu kaufen. Es gibt also keinen Grund zur Annahme, daß das alttestamentarische Prinzip Notwehr zuzulassen, nicht auch weiterhin Bestand hätte, eben gerade solange wie Notwehrfälle auftreten können. In einer unvollkommenen Welt mit unvollkommenen Menschen müssen Recht und Ordnung immer gegen Unordnung und Unrecht geschützt werden.
Jesus sagt an anderer Stelle: „Wenn ein Starker bewaffnet seinen Hof bewacht, so bleibt sein Besitztum in Frieden. (Lk 11,21)

Wenn er ein Wort von der „anderen Wange“ spricht, die man auch noch hinhalten soll, wenn man geschlagen wird, geht es um das Prinzip auf eine Konfrontation deeskalierend zu reagieren. In seinem eigenen persönlichen Bereich hat man seine eigenen Verantwortungen und sollte die Gelegenheit ergreifen vieles zu erdulden, ehe man sich selber mit dem Unrecht auf dessen „ureigenem“ Gebiet oder „Niveau“ anlegt. Überhaupt sollte man mit dem Bösen so wenig als möglich zu tun haben und nichts tun, um es zu noch mehr Bösem zu reizen, damit es dann völlig überhand nimmt. Das übliche Verfahren zurückzuschlagen, fördert bekanntlich nur weitere Schläge und gewonnen wird nichts. Der Christ sollte sich vielmehr durch sein besonnenes, ruhiges Wesen auszeichnen. Das ändert nichts an seinem Recht und seiner Pflicht zur Verteidigung hoher Güter.

Aus Neh 4,8 ist zu entnehmen, daß man kämpfen soll „für eure Brüder, eure Söhne und eure Töchter, eure Frauen und eure Häuser!“ Die Pflicht seinem Nächsten beizustehen, findet sich zwar auch in unserem Strafgesetzbuch. Die Bibel geht aber noch weiter. Demnach bedeutet Zuschauen ohne einzugreifen Zustimmung und Mittäterschaft. Das kann man aus Schriftstellen wie Röm 1,32, 1 Tim 5,22, Ps 50,18, Spr 29,24 entnehmen.

Wie unchristlich unsere Gesellschaft geworden ist, sieht man auch daran wie oft es vorkommt, daß bei Rechtsverstößen Passanten nicht einschreiten, da werden Frauen und Schwache in der Öffentlichkeit belästigt und niemand schreitet ein. Und warum nicht? Weil man Angst hat selber dabei Schaden zu nehmen getreu dem Motto, das eigene Leben zählt mehr als jedes andere Rechtsgut. Und genau darin liegt auch der Irrtum bei den Frieden-um-jeden-Preis-Befürwortern. Das Leben an sich ist wertlos, wenn es nicht für ein hohes Ziel gelebt wird. Die Qualität des Lebens ist wichtiger als die Verlängerung der Dauer um jeden Preis. Und deshalb muß man sich auch für Werte einsetzen können, die höher einzuschätzen sind als das eigene Leben. Denn auch das sagte Jesus, der vollkommene Lehrer der vollkommenen Ethik:
„wer sein Leben verliert, wird das ewige Leben gewinnen und wer sein Leben versucht zu bewahren, wird es verlieren“ (Mt 10,39). Christen sind aufgerufen konsequent im Geiste Christi zu wandeln.

Aber nicht nur der Einzelne hat das Recht sein Leben oder das Leben anderer gegen ungerechtfertigte Angriffe zu schützen. Selbstverständlich hat das auch der Staat, weshalb Paulus den Römern klar machte, daß der Staat innerhalb des gesetzlichen Rahmens sein Schwert zu Recht trägt (Röm 13,4). Das Schwert diente damals nicht dazu, Geldstrafen zu verhängen.

Das bekannteste Jesuswort zum Krieg steht bei Matthäus (Mt 10,34): „Ihr sollt nicht wähnen, daß ich gekommen sei, Frieden zu senden auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu senden, sondern das Schwert.“

Das scheint im Widerspruch zu dem zu stehen, was wir über die Absichten des Gottes der Bibel gesagt haben. Er will allen Menschen das Heil bringen. Aber bevor er ihnen das Heil und den ewigen Frieden bringen kann, führt er das Schwert als Richter über das Böse in der Welt, mit dem sich die Menschen verbündet haben. Bevor man ein Haus schmücken kann, muß es ausgefegt werden.
Dazu, heißt es in Kol 1,20, bietet Gott den Menschen die Versöhnung an: „indem er Frieden machte durch das Blut an seinem Kreuz, durch sich selbst.“

Jedermann, der dieses Blut Christi, das am Kreuz vergossen wurde, für sich in Anspruch nimmt, ist erlöst von seiner Schuld und gerecht gesprochen. Menschen, die sich hingegen nicht unter den Schutz dieses Kreuzes begeben, die sich daher nicht wirklich zu Gott bekehren, müssen durch Strafgerichte, die Erziehungsgerichte sind.
Wenn also Jesus hier davon redet, das Schwert zu bringen, hat er klar vorausgesehen, daß seine Botschaft vom Heil die Menschen entzweien wird. Das Evangelium fordert zwar alle Menschen auf, das Angebot auf Versöhnung mit Gott anzunehmen. Es schneidet dabei aber zugleich wie ein Schwert scharf die Menschheit in einen unerlösten und einen erlösten Teil. Und der unerlöste Teil wird ständig im Krieg liegen mit allem und jedem, was pro Evangelium ist. Jesus erklärt das selber so:

„Denn ich bin gekommen, den Menschen zu erregen gegen seinen Vater und die Tochter gegen ihre Mutter und die Schwiegertochter gegen ihre Schwiegermutter.
Und des Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein.“

Christen wissen um die Wahrheit dieser Worte. Das Böse in den Menschen wird erregt, eigentlich nicht gegen den Menschen, der das Evangelium vertritt, sondern gegen das Evangelium selbst, das ihn mehr herausfordert als alles sonst, denn im Evangelium wird der Mensch mit seiner unseligen Verkommenheit konfrontiert und zugleich dem gegenübergestellt, was er eigentlich vor Gott sein soll.
Das ist zu beschämend als daß man es wahr haben will, denn alle ermangeln dem Ruhm und der Ehre, die sie erbringen sollten. Christen stehen dafür, diese Beschämung und den Mangel zugegeben zu haben und auch, daß man eben nicht aus sich selbst heraus existieren kann, daß man sich nicht mit seinen eigenen kläglichen, armseligen Errungenschaften gegen Gott behaupten kann. Und alles das kann sie auch unbeliebt machen bei denen, die versuchen durch sich selbst und für sich selbst zu leben! Die Herrlichkeit, die in Christus zu finden ist, erregt die Abwehrhaltung des Bösen, das in einem jeden Menschen steckt und kann zu Feindseligkeit und Krieg in aller erdenklicher Form führen.
Das ist der eigentliche Krieg, der geführt wird: die Weigerung des Menschen, sich für das, zu was er geschaffen wurde, hinzugeben. Er wurde zur Verherrlichung Gottes geschaffen. Stattdessen will sich der Mensch selber verherrlichen und erleidet dabei nur Fehlschläge, denn dafür wurde er nicht geschaffen!
Entsprechend der Feindseligkeiten des unbekehrten Menschen gegenüber allem was vor Gott ehrbar und recht ist, ergeht über ihn das Gericht, sei es individuell oder vergesellschaftet mit anderen Menschen in den Gerichten, die er selbst durch die Ablehnung Gottes allen Menschen naturgemäß heraufbeschwört.

„Friede sei mit dir!“ spricht immer der Engel Gottes als erstes zu Menschen.
Das ist das Programm Gottes. Frieden zu schaffen für alle Menschen. Aber dazu müssen die Menschen lernen, daß es dauerhaften, ewigen Frieden nur in Jesus Christus gibt. Er allein kennt den Weg des Friedens. In Of 21,1 wird beschrieben wie es sein wird, wenn sich die Verhältnisse auf Erden nach Gottes Vorstellungen gewandelt haben werden. Da ist von einer neuen Erde die Rede und von einer Stadt, die vom Himmel herabkommt, weil man so etwas auf Erden nicht schaffen kann, die Stadt trägt den Namen „Stadt des Friedens“ - Jerusalem. Sie wird als Gottes Zelt bezeichnet:

„Siehe, Gottes Zelt bei den Menschen, und Er wird bei ihnen zelten und sie werden Seine Völker sein, und Er, Gott selbst, wird bei ihnen sein.“ (Of 21, 3) Wenn sich Gott und Mensch in der Versöhnung durch Jesus Christus ganz nahe sind, dann wird ewiger Frieden sein!

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